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Theatralische Bibliothek.
„fallen, und seinen Nacken zermalmen. — — Amphitryo er-staunet über diesen plötzlichen Wahnwitz, doch Herkules fährtfort. Er kömmt ans seine Thaten, lind will sich mit Gewaltden Eingang in den Himmel crösncn. Er drohet, wenn Jupi-ter geschehen lasse, daß ihm Zuno noch länger zuwider sey, denSaturn zu bcfrcycn, die Riesen zu neuen Kriegen aufzufrischenund sie selbst anzuführen. Diese Kriege glaubt er bereits mitallen ihren schrecklichen Verwüstungen zu sehen, bis er endlichseine eigne Kinder, die mit der Megara bey dem Opfer gegen-wärtig seyn sollten, gewahr wird, und sie für die Kinder desA.ycns ansieht. Dieser Wahn bringt seine Wuth aufs höchste.Er spannt seinen Bogen uud durchschießt das eine, und dasandere, welches seine Knie mit den kleinen Händen umfaßt,und mit erbärmlicher Stimme bittet, ergreift er mit gewaltigerFaust, schwenkt es in der Luft herum, und zerschmettert es ge-gen den Boden. Indem er das dritte verfolgt, welches seineZuflucht zu seiner Mutter nimt, sieht er diese für die Juno an.
Erst richtet er das Kind hin, und alsdann seine Gemahlin.--
Alles dieses, wird man sagen, müsse einen sehr gräßlichen undblutigen Anblick machen. Allein der Dichter hat, durch Hülfeder römischen Bühne, deren Bauart von den unsrigen ganz un-terschieden war, ein vortrcfliches Spiel hier angebracht. Indemnehmlich Herkules seine Kinder und seine Gemahlin verfolgt,und von Zeit zu Zeit den Zuschauern aus dem Gesichte kömmt,so gehen alle die Ermordungen hinter der Scene vor, wo sienur von den übrigen Personen auf der Bühne können gesehenwerden. Von dem Amphitryo vornehmlich, welcher alles waser sieht in eben dem Augenblicke sagt, und die Zuschauer alsoeben so lebhaft davon unterrichtet, als ob sie es selbst gesehenhätten. Zum Exempel, wm» -Herkules dem dritten Kinde nach-geht, so schreyt Mcgara: „Wohin, Unsinniger? Du vergießest„dein eigen Blut. Mit diesen Worten eilt sie beyden nach,daß sie also bereits hinter der Scene ist, wenn Amphitryo fol-gende Erzchlung macht: „das zitternde Kind stirbt vor dem feu-rigen Blicke des Batcrs, noch ehe es verwundet worden. Die„Furcht hat ihm das Leben genommen. Und nun, nun schwenkt„er die tödliche Keule auf seine Gemahlin. Sie ist zermalmt,