Von den Trauerspielen des Scncc.^
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Herkules. Kann wohl ein grösseres Unglück zu fürchtenseyn, als dieses?
Amph. Was du davon weißt, ach! was für ein kleinerTheil ist es.
-Herkules. Erbarme dich, Vater. Flehend strecke ich meineHände gegen dich aus." — — Indem Herkules dieses thut,wird er gewahr, daß seine eigenen Händc voller Blut sind. Erwird gewahr, daß es seine eigenen Pfeile sind, an welchen dasBlut der Kinder klebt. Zn der Gewißheit, daß mcmand, alser selbst, seinen Bogen habe spannen können, ist er gcnöthigctsich selbst für den Mörder zu erkennen. „Wie? Vater, Freund,„so bin ich es selbst der dieses Verbrechen begangen hat? Ach!„sie schweigen; ich bin es." Amphitr^o will ihn trösten, nndschiebt alle Schuld auf die Juno. Doch umsonst; er gcräth ineine so wüthende Verzweiflung, daß es scheint, die Raserey habeihn nicht sowohl verlassen, als nur ihre Richtung verändertund sich gegen ihn selbst gewendet. Er bittet seinen wahrenVater, den Jupiter, daß er ihn vergessen, und zornig von demgestirnten Pole auf ihn donnern möge. Er will an des Pro-metheus Statt an den leeren Eaucasus gefesselt, oder zwischenden Symplcgadcn zerschmettert seyn. Er will Wälder zusammenhäufen, und sich, befleckt von sträflichen Blute, in den bren-nenden Holzstoß stürzen. Er will den Herkules der Hölle wiederzurück geben. Diese soll ihn, wo möglich, an einem Orte, wel-cher noch jenseits dem Ercbus liege, verbergen; an einem Orte,der ihm und dem Ecrbcrus unbekannt sey. — — Er beklagt,daß sein Gesicht zu verhärtet sey, und keine Thränen kenne,welche um den Tod seiner Kinder nicht reichlich genug fließenkönnten. Er will sein Schwcrd, seine Pfeile, seinen Bogenzerbrechen; er will seine Keule, er will seine Hände, die sie ge-führt haben, verbrennen. — — Hier wagt es Thcscus, ihmzuzureden.
Thcs- Wer hat dem Irrthume jemals den Namen desVerbrechens gegeben?
Herk. Oft ist ein zu grosser Irrthum anstatt des Verbre-chens gewesen.
Thes. Hier ist Herkules nöthig. Ertrage diese Last von Nebeln!
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