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Theatralische Bibliothek.
die Augen fällt. Die prächtige Beschreibung des Kampfes mitdem Ccrbcrus mußte, als eine unnöthigc Zicrrath, wegbleiben.Der Römer hatte noch einigen Gründ sie zu wagen, ob er gleichfreylich besser gethan hätte, wenn er hier der vorsichtigen An-ständigkeit seines Musters gefolgt wäre. Seine Stärke war imSchildern, und welcher Dichter läßt sich nicht gerne von der Be-gierde, seine Stärke zu zeigen, dahin reisten? Was die Persondes kLhesens anbelangt, so wurde man auch bey dieser besserder Einrichtung des lateinischen als des griechischen Dichters fol-gen. Jener bringt ihn gleich mit dem-Herkules auf die Bühne;dieser aber läßt ihn erst in dem fünften Aufzuge darzu kommen,wo er recht vom Himmel fällt. Wenn der ncurc Dichter übri-gens eine Vermehrung der Personen vorzunehmen für nöthigbefände, so würde er, vielleicht nicht ohne Glück eines von denKindern des -Herkules, welche seine beyden Vorgänger nur stummaufführen, mündig machen können. Er müßte den Charakterdesselben aus Zärtlichkeit und Unschuld zusammen setzen, um un-ser Mitleiden desto schmerzlicher zu machen, wenn wir es vonden blinden Händen seines geliebten Vaters sterben sehen. Dochwürde es wohl unsre Bühne zulassen, in Ansehung der Ermor-dung selbst, das Kunststücke des Römers anzubringen? Zn sei-nem ganzen Umfange möchte sie es wohl schwerlich zu lassen,doch wollte ich auch nicht, daß man dem Zuschauer deswegendiesen ganzen schrecklichen Anblick zu entziehen suchte. Wenig-stens müßte den -Herkules ans der Bühne die Raserey befallen;voller Bestürzung müßten Gemahlin und Kinder furchtsam vonihm fliehen, er ihnen nacheilen, und sie ausser dem Gesichte desZuschauers tödtcn. Dieses würde das Mittel zwischen dem, wasder römische und was der griechische Dichter geschehen lassen,seyn. Amphilr^o könnte alsdann den folgenden Auszug mit dertraurigsten und lebhaftesten Beschreibung anfangen; er könntesich mit dem Thescus berathschlagen, wie sie sich gegen denschlafenden -Herkules verhalten sollten, und während der Bcrath-schlagung könnte der erwachte Herkules dazu kommen, und die
Rolle, die ihn der Römer spielen läßt, ausführen.--Doch,
wird man nunmehr fragen, ist denn überhaupt ein Held, deneine hassende Gottheit, in einer plötzlichen Raserey, Grausamkci-