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4 (1838)
Entstehung
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Von den Trauerspielen des Senec.,,

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das Stolze, das Erfreute, das Rasende, das Zärtliche, dasGesetzte, das Freundschaftliche, wechselt unaufhörlich ab, undoft treffen sie so glücklich zusammen, daß sie der schönsten Ab-stcchlingcn unter einander sähig sind. Auch die Erfindung desBallctmcistcrs würde sich hier nicht auf dem Trockenen befinden,auf welchen man in einem Schauspiele, das so vorzüglich zumVergnügen des Gesichts und des Gehörs bestimmt ist, billig auchmit sehen muß. Doch da die Oper mehr in das musikalische,als in das poetische Fach gehöret, so will ich mich nicht weiterdamit einlassen. Ich will vielmehr meine Absicht auf ein regel-mäßiges Stück richten. Die mechanische Einrichtung desselbenwürde man gänzlich dem Seneca absehen können. Nur mit derIuno, welche bey ihm ziemlich das Ansehen eines Prologen hat,müßte man eine Aenderung treffen. Unsere neuere tragische Bühnewill die Gottheiten nicht mehr leiden. Man hat sie in die alle-gorischen Stücke verwiesen, und das mit Recht. Was also zuthun? Ich wollte rathen die persönliche Erscheinung der Iunoin einen göttlichen Traum eines Priesters zu verwandeln. Ermüßte selbst kommen, und es dem Herkulischen Hanse crzchlcn,was er in feiner Entzückung gesehen, und welche schreckliche Dro-hungen er gehöret. Diese Drohungen aber müßten in allgemei-nen Ausdrücken abgefaßt seyn; sie müßten etwas orakclmäßigcshaben, damit sie den Ausgang so wenig, als möglich verriethen,und den Amphitryo und die Megara nicht verhinderten, denHerkules bey seiner Zurückkunst mit aller Zärtlichkeit zu empfan-gen. Zn Ansehung der Sitten, wollte ich, daß sich der neuereDichter den Euripidcs zum Muster vorstellte; doch mit Bcybc-haltung des Scnccaschcn K.>'cus, Dieser ist bey dem Griechenviel gröber und grausamer geschildert. Er sagt es gerade her-aus, daß er die ganze Familie des Herkules umbringen müsse,wenn er sicher herrschen wolle, und thut der Megara den Vor-schlag nicht, den ihn der Römer thun läßt. Dahingegen sindin dem Griechischen der Herkules weit menschlicher, die TNcgaraweit zärtlicher, und Theseus weit freundschaftlicher gebildet. DasAbcnthcucrlichc des erstem ist da ungcmcin versteckt, und allerseiner Thaten wird nur mit ganz kurzen Zügen in einer Ent-fernung gedacht, in welcher ihre Unglaublichkcit nicht so sehr in