Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
267
Einzelbild herunterladen
 

Von den Trancrspiclcn des Scneca,

267

es erstaunt über die Unentschlosscnhcit seines Vaters, dochThyest fährt fort:Warum stehe ich noch an? Warum quäleich mich noch über einen so leichten Entschluß? Da ich nic-mandcn trauen darf, soll ich meinem Bruder, soll ich der Hof-nnng zu regieren trauen? Was sürchte ich schon überwundene,von mir gebändigte Uebel? Warum fliehe ich Trübsalen,in die ich mich bereits geschickt? Ich will, ich will elend seyn.Zurück also, Thuest, zurück, und rette dich, da es dir nochvergönnt ist.

Plisthenes. Was bewegt dich, o Vater, deinen Schritt vonder nun wieder erblickten väterlichen Burg zurück zu wenden?Warum willst du dich selbst so grossen angebothenen Güternentziehen? Dein Bruder hat seinen Zorn abgelegt, und wirdaufs neue dein Bruder. Er giebt dir deinen Antheil an demReiche zurück, sammelt die Glieder des zerrütteten Hauses, undsetzt dich wieder in den Besitz deiner selbst.

Thuest. Du willst die Ursache der Furcht wissen, die ichselbst nicht weis. Ich sehe nichts, wovor ich mich fürchten sollte,und fürchte mich dennoch. Ich will gern gehen, aber die Kniesinken unter mir zusammen, und ich werde mit Gewalt vondem Orte zurück getrieben, zu dem ich doch will.--

Plisth. O schlage alles nieder, was dein Gemüth so un-cntschlüßig macht, und betrachte, was für Belohnungen deinerwarten. Du kannst regieren, Vater--

Thuest. Unter beständiger Furcht des Todes.

Plistl). Du sollst die höchste Gewalt erlangen.--

Thyest . Die höchste Gewalt ist die, nichts zu begehren.

Plisth. Du kannst nun deinen Kindern ein Reich lassen.

Thyesk. Kein Reich fasset zwey Regenten.

Plisth. Wer will wohl elend seyn, wenn er glücklich seyn kann ?

Thyest. Glaube mir; das Grosse gefällt nur durch diefalschen Namen, die wir ihm beylegen. Mit Unrecht fürchtet manein geringes und hartes Schicksal. So lange ich auf der Spitzeder Ehren stand, habe ich nicht einen Augenblick zu zittern auf-gehört, und mich selbst für mein eignes Schwcrd an meinenLenden gefürchtet. O welch ein Glück ist es, niemanden imWege zu stehen, und auf dem Boden hingestreckt, sichre Speisen