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4 (1838)
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Theatralische Bibliothek.

die Sonne niemals wieder zurückkehren, sondern eine ewigeNacht diese unmenschlichen Verbrechen bedecken möge.

Atrcus. Nun preise ich meine Hände! Nun habe ich diePalme errungen! Meine Laster wären umsonst, wenn es dichnicht so schmerzte. Nun dünkct mich, werden mir Kinder gc-bohrcn. Nun dünket mich, dem keuschen Ehebette die verletzteTreue wiedergegeben zu haben.

Thuest- Was hatten aber die Kinder verbrochen?

Acreus. Daß sie deine Kinder waren.

Th>^est. Dem Vater seine Söhne

Acreus. Za, und was mich freuet, seine gewissen Söhne.

iLhyeff. Euch ruf ich an, ihr Schutzgöttcr der Frommen

Atreus. Warum nicht lieber die Schutzgöttcr der Ehen?

Thuest. Wer vergilt Verbrechen mit Verbrechen?

Acreus. Ich weiß, worüber du klagst. Es schmerzt dich,daß ich dir mit dem Verbrechen zuvorgekommen bin. Nicht dasgeht dir nahe, daß du diese gräßliche Mahlzeit genossen, sonderndaß du sie nicht zubereitet. Du hattest im Sinne, deinem un-wissenden Bruder gleiche Gerichte vorzusetzen, und mit Hülfeder Mutter, meine Kinder eines ähnlichen Todes sterben zulassen; wenn du sie nur nicht für deine gehalten hättest.

Thuest. Die Götter werden Rächer seyn; und diesen über-geben dich meine Wünsche zur Strafe.

Acreus. Und dich zu strafen, will ich deinen Kindernüberlassen.

Beurtheilung des Thuest.

So schließt sich dieses schreckliche Traucrspicl, dessen blosserInhalt, wenn cr auch noch so trocken erzchlt wird, schon Ent-setzen erwecken muß. Die Fabel ist einfach, und ohne alle Epi-soden, von welchen die alten tragischen Dichter überhaupt keineFreunde waren. Sie führten den Faden ihrer Handlung geradeaus, und verliessen sich auf ihre Kunst, ohne viele Verwick-lung, fünf Acte mit nichts zu füllen, als was nothwendig zuihrem Zwecke gehörte.

Atrcus will sich an seinem Bruder rächen; cr macht einenAnschlag; der Anschlag gelingt, und Atrcus rächet sich. Dasist cs alle; aber bleibt deswegen irgendwo unsere Aufmerksam-