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kcit müßig? Es ist wahr, der Alte macht wenig Scenen; alleinwer hat es uns denn befohlen, derselben in jedem Auszüge soeine Menge zu machen? Wir strengen das Gedächtniß unsererZuhörer oft auf eine übermäßige Art an; wir häufen Verwir-rung auf Verwirrung, Erzchlung auf Erzchlung, und vergessencs, so zu reden mit Fleiß, daß man nicht viel denken muß,wenn man viel empfinden soll. Wenn der Verstand arbeitet,so ruhet das Herz; und wenn sich das Herz zu zeigen hat,so muß der Verstand ruhen können. — — Die Rache desAtreus ist so unmenschlich, daß der Dichter eine Art von Vor-bereitung nöthig befunden hat, sie glaubwürdig genug zu ma-chen. Aus diesem Gcsichtspunctc muß man den ganzen erstenAufzug betrachten, in welchem er den Schatten des kLantaluslind die Furie nur deswegen einführet, damit Alrcus von et-was mehr, als von der Wuth und Rachsucht seines Herzens,getrieben zu werden scheine. Ein Theil der Hölle und das Schick-sal des Pclopcischcn Hauses muß ihn zu den Verbrechen gleich-sam zwingen, die alle Natur auf eine so gewaltige Art über-schreiten. Zu der Handlung selbst trägt dieser Aufzug sonst garnichts bey, und das Trauerspiel würde eben so vollständig seyn,wenn cs auch erst bey dem zweyten Auszüge seinen Anfangnähme. Ich werde weiter nuten noch eine andere Anmerkung
hierüber machen--Die Einheit des Orts hat der Dichter
glücklich beobachtet. Er läßt alles vor dem königlichen Pallastcvor sich gchcn, und nur in dem letzten Auszüge wird dieser Ortgleichsam erweitert, indem sich der Pallast selbst öfnct, und denThyest an der Tafcl zeiget. Es muß dieses ein ganz andererAnblick gewesen seyn, als wenn ein jetziger Dichter in gleichenFällen den hintern Vorhang muß aufziehen lassen. Nur woltcich, daß dcr Römer bey dieser prächtigen Aussicht in einen starkerleuchteten Spciscsaal des Pallasts, ein wenig mehr Kunst an-gebracht hätte. Arrcus ist draussen vor dem Pallastc, und giebtselbst den Befehl ihn zu öfncn: (Z. 904.)
tui'Iia lnmul-uis sorosrolaxa; letw vatoiiat äomus.
Warum befiehlt er aber dieses? Dcr Zuschauer wegen, ohneZweifel, und wenn keine Zuschauer dawären, so würde er viel-