284 Theatralische Bibliothek.
leicht ohne diese weite Eröfmmg zu seinem Bruder hinein ge-gangen seyn. Zch würde es viel lieber sehen, wenn der Pallastgleich vom Anfange des Auszuges gcöfnct wäre; Atreus köntcin der Entfernung doch wohl noch sagen, was er wollte, ohnevon dem Thyest gehört zu werden. So gut sich dieses bey derletzten Helftc seiner Rede thun ließ, eben so gut hätte es auch
bey der ersten geschehen können.---Es wäre gut, wenn
ich bey der Einheit der Zeit, weiter nichts als nur eben soeine Kleinigkeit zu erinnern hätte. Allein hier wird man mitdem Dichter weniger zufrieden seyn können. Er setzt den An-fang seines Stücks noch vor den Anbruch des Tages, und mußtenothwendig einen Theil der Nacht zu Hülfe nehmen, weil erGeister wollte erscheinen lassen, und diese, nach der Meinungder Heiden, am Tage nicht erscheinen durften. Die letztenWorte, welche die Furie zu dem Schatten des Tkmalus sagt,zeigen es deutlich genug:
i^to «luuitat, au ^ulioat Ivyui,
doA!tt«zuo Kitbon!« Ire peritui-um <liom.Die Sonne also geht eben auf, als die Geister von der Bühneverschwinden, und die Bcrathschlagungen des Atrcus in demzweyten Aufzuge fallen am frühesten Morgen vor. Alles dieseshat seine Richtigkeit. Aber nunmehr kömmt ein Punct, beywelchem es mehr wird zu bedenken geben. Am Ende des zwey-ten Auszuges beschließt Atrcus seine Söhne, den XNenclausund Agamemnon , an den Thuest abzuschicken; und zu Anfange'des dritten Auszuges erscheinet Thyest bereits mit seinen Söh-nen. Was muß also in dem Zwischcnraumc vorgefallen seyn?Atreus hat seinen Söhnen das Geschäfte aufgetragen; sie habenes über sich genommen; sie haben den Thyest aufgesucht; siehaben ihn gefunden; sie haben ihn überredet; er macht sich aufden Weg; er ist da. Und wie viel Zeit kau man aus diesesalles rechnen? Wir wollen es gleich sehen. Im vierten Aus-züge, nachdem Atreus den Thyest empfangen, nachdem er ihmalle Schmcichclcycn einer verstellten Aussöhnung gemacht, nach-dem er ihm den königlichen Purpur umlegen lassen, nachdemer sein grausames Opfer vollzogen, nachdem er das unmensch-liche Mahl zubereitet, nach allem diesen, sage ich, ist es, wenn