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286 Theatralische Bibliothek.
gcfliiidcn haben, so unwahrscheinlich es auch ist, daß sich einMann, der sich einmal verbergen muß, nicht besser verbergenwerde. Dennoch wird man schwerlich die schleunige Ankunftdesselben so leicht begreifen können, als man sie, ohne anstößigzu seyn, begreifen sollte. Ich will mich hicrbcy nicht langeraufhalten, sondern nur noch ein Wort von den Charakteren
sagen.--Sie sind ohne Zweifel so vollkommen ausgedruckt,
daß man wegen keines einzigen in Ungewißheit bleiben kann.Die Abstcchungcn, in welche übrigens der Dichter die beydenBrüder gesetzt hat, ist unvergleichlich. Zn dem Acreus siehtman einen Unmenschen, der auf nichts als Rache denkt, undin dem Thuest eines von den rechtschaffenen Herzen, die sichdurch den geringsten Anschein von Güte hintergehen lassen, auchwenn ihnen die Vernunft noch so viel Ursachen, nicht allzulcicht-gläubig zu seyn, darbiethet. Was für zärtliche und cdelc Ge-danken äusscrt er, da er sich auf einmal blos deswegen fürschuldig erkennet, weil sein Bruder sich jetzt so gütig gegen ihnerzeige. Und was für eine besorgte Liebe für diesen ruchlosenBruder verräth die einzige Wendung, da er eben sein Unglückerfahren soll, welches durch die ganze Natur ein schrecklichesEntsetzen verbreitet, und noch sagt:
— — «zuicyuiä «zst, t'ratri prooorl-!n»t!s^u<z parest; omnis i» vilo Iioe «sputbliest piocvllit — —
Aber nun möchte ich wissen, warum der Dichter diesen vortrcf-lichcn Charakter durch einen Zug hat schänden müssen, der denThuest zu nichts geringern, als zu einem Gottesleugner macht?
— — A nstrios cloos
(8i lunt tamen clii) ooino — —Dieses sind fast seine ersten Worte, und ich gestehe es ganzgern, daß, als ich sie zuerst las, ich mir einen sehr abscheulichenThuest versprach.
Von andern alten Trauerspielen dieses Inhalts.Das Alterthum hat mehr als eine Tragödie von der ab-scheulichen Rache des Atreus gehabt, ob gleich nicht mehr alsdiese einzige ans uns gekommen ist. Unter den Griechen hattenAgachon, Nikomachns von Athen, Theognis , (nicht aber