Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
288
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288 Theatralische Bibliothek.

nig wunderbar vorgekommen, daß Thyeff bey einem öffentlichenMahle ganz allein von den abscheulichen Gerichten habe essenkönnen. Haben andere mit ihm zu Tische gelegen, und sie sindihm nur allein vorgesetzt worden, so hat er ja natürlicher Weisemüssen Verdacht fassen. Hat ihm aber niemand an der TafelGesellschaft geleistet, wie es in unserm obigen Stucke zu seynscheinet, wo nicht einmal Atrcus mit ihm speiset, so hat ja dieseAbsonderung nothwendig auch Gedanken erregen müssen. DieseSchwierigkeit also hatte der alte Am'us vielleicht, wer weißdurch welchen glücklichen Einfall, gehoben. Wenigstens sinddie angeführten Worte ein ausdrücklicher Befehl, daß sich nie-mand mit dem Thyest zu Tische legen, noch mit ihm von ebendenselben Gerichten essen solle. Eine Ursache dieses Befehlswird er ohne Zweifel auch angeführet haben, und zwar einesolche, die allem Argwohne wegen der wahren Ursache vorzubeu-gen fähig war. Denn ohne diese wäre der blosse Befehl nochweit schlimmer, als das völlige Stillschweigen über den bedenk-lichen Umstand gewesen; wie ein jeder auch ohne mein Erinnernleicht einsehen wird.

wahrscheinlicher Beweis, daß der rasende -Herkules undder ^Lh^est einen Verfasser haben.Es ist hier noch nicht der Ort, zu zeigen, wem eigentlichdas eine und das andere dieser zwey Trauerspiele von altenSchriftstellern beygelegt worden. Ich will thun als ob man garkeine Zeugnisse hätte, und bloß aus ihren innern Kennzeichenso viel zu schließen suchen, als in der Folge nöthig seyn wird,ein jedes von den zehn Stücken kenntlich genug zu machen, umes mit Einsicht diesem oder jenem beylegen zu können. DreyStücke sind es, welche im Thvest eben denselben Verfasser ver-rathen, den man im rasenden -Herkules hat kennen lernen; dieSchreibart, die Kunst, die Fehler. Die Schreibart ist in bey-den Stücken gleich kurz, gleich stark, gleich kühn, gleich ge-sucht. Es herrscht durchaus einerley tragischer Pomp darinne;einerley Wohlklang und einerley Art der Fügung. Alles diesesläßt sich ohne Mühe entdecken, und will man diese Untersuchungins Kleine treiben, so wird man auch gar leicht gewisse Worteantreffen, die dem Verfasser so eigenthümlich sind, daß man sie