Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
310
Einzelbild herunterladen
 

310

Theatralische Bibliothek.

Vielleicht, daß die andächtigen Vorstellungen blosser Wun-derwerke und Leidensgeschichte, nicht lange nach dem Geschmackedes englischen Pöbels waren. Wenigstens findet man ohngcsehrhundert und vierzig Zahr hernach, daß man ihn mit weit lusti-gern Vorstellungen zu unterhalten gesucht hat. Denn unter derRegierung R. LLduard des dritten ward durch eine Parla-mcntsactc verordnet, daß eine gewisse Gesellschaft von Leuten,Vsgrants genannt, welche durch ganz London Maskeraden an-gestellt, aus der Stadt gepeitscht werden sollten, weil sie inden Trinkhäuscrn, und an andern Orten, wo sich das Volkversammelt, ärgerliche Dinge gespickt.Worinn diese ärgerli-chen Dinge eigentlich bestanden, kann man nicht sagen. Siemögen aber bestanden haben, worinn sie wollen, so ist doch soviel gewiß, daß diese Vagranrs die ersten wahren englischenKomödianten waren, denn sie verliessen das abergläubische Zeug,lind gaben sich mit Satyre und Nachahmung der Sitten ab.

(°) Wenn Riccoboni (in dcm angezognen Werke, Seite 118) dieserParlamcntsacte, als der ältesten Spur des englische» Theaters gedenkt, sodruckt er sich folgender Massen aus- 8ou« le regne «I'Lituürcl lll. i^ui com-ineny» I'iu, tvtS >!' linil eil t038, il ett rappoNe, üaiis un I^ivre im-priine a I,vi»Zri!5, ^K/«/u/e6 a< /«»-H'e >Lc.) <>ue ce IsiM lioi oraon»^ piirUN ^rret tln ?ilrleme»l, ^»'une ^t/^enii/e's <Äc. Kann man einen grobem

Fehler wider die Zeitrechnung begehen? Eduard der dritte regierte von1327 bis 1376, und da ihn Riccoboni den heiligen König nennet, so istes offenbar, daß er ihn mit Eduard dem Bekenner, welcher von 1042bis 1066 regieret, oder gar mit dem heiligen Eduard, dem Märtyrer,muß vermengt haben.

(°°) Vielleicht waren sie derjenigen Art von Schauspieler nicht unähnlich,die m nachfolgenden Zeilen ^/»»inieT-s genannt wurden, und in einer altva-terische» Kleidung das Land durchzöge», tanzten und allerhand Gcbrhrdcn undPosse» machte». Es fi»dc» sich dergleichen MummcrF noch bis jetzt in Eng-land ; in dem funfzclmtcn Jahrhunderte aber warm sie so gcmci», und l'icitc»das Volk so sehr von seinen Geschäften ab, daß sie der mcnscklichcn Gesell-schaft sehr schädlich wurden. Den» da sie beständig verkleidet und mastirtcinhcrgingcn, so waren sie an vielen lüdcrlichen Streichen Schuld, und fin-gen Unordnungen an, die mit der Zeit so arg wurden, daß in dcm drittenJahre der Regierung Ä. Heinrichs des achten, (1S12) eine Parla-nicntsacte wider diese Mummers gemacht wurde, durch welche auf jede Maskedie verkauft, oder in einem Hause gefunden werden würde, eine Geldstrafevon 20 Schillings (beynahe 6 Reichsthalcr) gelegt ward.