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314 Theatralische Bibliothek.
tcn bloß eine Geschichte des alten oder neuen Testaments aufeine abgeschmackte Weise vor; aber in den Moralities war dochirgend ein kleiner Plan, eine Fabel, etwas Moral, und auchwohl etwas Dichtkunst, indem öfters die Tugenden, und Laster,lind Gcmüthsbcwungc» :c. als Personen darinn aufgeführetwurden,(") Zn der ersten Hclfte des sechzehnten Jahrhunderts,fingen sie auch an öfters von der Religion zu handeln; denndie Religion war damals ein Hauptgcgcnstand, und es warkein Wunder, wenn eine jede Parthey alle Künste anwendete, umihren Sätzen Eingang zu verschaffen. Wenn die Moralities nochjetzt in England gewöhnlich wären, so würden sie eben so fleißigvon politischen Sachen handeln. Doch dauerten diese theologischpolemischen Schauspiele eben nicht lange; denn in einer Parla-mcntsactc, welche im vier und zwanzigsten Zahrc der RegierungK. -Heinrichs des achten, zur Beförderung der gereinigtem Re-ligion gemacht ward, ist eine Clauscl befindlich, wodurch allenRimours und Schauspielern verbothen wird, in ihren Gesängenoder Stücken das geringste vorzutragen, was der einmal fcstgc-gcscßtcn Lehre nachteilig seyn könnte. Eine von diesen Mora-lities , unter dem Tittcl: Ne,v euttom 6-<-.("*) welche zur Ver-theidigung der Reformation gemacht worden, ward unterdessendoch wieder auf das Theater gebracht; nehmlich nntcr der Re-gierung der Königin iLlisabech, als sie die rcformirtc Religionwieder herstellte.
Nach den Moralities kamen die Intoiluclos auf, welche kleineStücke, ob sie gleich einem Gespräche ähnlicher sahen als einemDrama und wenig oder gar keine Handlung hatten, dennochder wahren Komödie um einen guten Schritt näher kamen, alsdie vorher gewöhnlichen Spiele. Unter den Verfassern dieserZntcrludes ist Iohn -Hcywood einer der vornehmsten. Er ward
C) I- E. Zu ciucr alten Moralitv, unter dem Tittcl »n kor »lonev(alles für Geld) sind unter den auftretenden Personen auch folgende:Die Gottesgelahrheit, die "Wissenschaft, die Runst, die göttlicheErmahnung, die gottlose Hülfe, die Gelehrsamkeit mit Geld,die Gelehrsamkeit ohne Geld, Geld ohne Gelehrsamkeit, wederGeld noch Gelehrsamkeit :c.
<°°) Dsdöley hat sie dem ersten Bande seiner Sammlung einverleibet.