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Geschichte der englischen Schaubühne.
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zu Anfange des sechzehnten Jahrhunderts in London gcbohrcnund studirtc zu Oxford. Die Strenge des akademischen Lebenswollte ihm aber nicht lange gefallen; er begab sich also wieder inseine Vaterstadt, wo er mit dem Thomas Morus eine vertrauteFreundschaft errichtete. Er fand auch Mittel, ein Liebling R.Heinrichs des achten zu werden, der ihn wegen seines munternKopfs und seiner lustigen Einfälle schätzte. Unter seinen Zn-tcrludcs findet sich eines, in welchem er die Mönche und Ablaß -krämcr lächerlich macht. Es fuhrt den Tittcl: ^ marrz,-dotvvven tnv parcloner anä tko ?rero, tko l^uiatv ancl ZXo^-dnur pratts, und ist im Zahre 1633 gedruckt. Allein ermuß nach der Zeit wieder ein sehr eifriger Papist gewordenseyn; denn er stand nicht allein bey der Königin Maria ingrossen Gnaden, sondern verließ auch sogar, nach ihrem Tode,sein Vaterland, weil er wohl sahe, daß die protestantische Par-they, unter Begünstigung der Königin Elisabeth, nunmehr dieOberhand bekommen werde. Er wandte sich nach Mcchcln, woer im Zahr 1566 starb. Er war ein guter Musikus, und hatausser seinen Znterludcs, auch noch eine grosse Menge Epigram-mata geschrieben, die aber nicht viel werth sind.
Und nun kommen wird endlich auf das erste englische Stück,welches den Namen einer Tragödie verdient. Thomas Sack-ville, nachher Baron von Vuckhnrst und endlich Graf von Dör-fer, Großschatzmcistcr von England unter der Regierung derKönigin LLlisabech und König Jacobs des ersten, war derVerfasser desselben. Dieser Herr war in seiner Zugend der größteDichter seines Landes, so wie er in seinen männlichen Jahren der -größte Staatsmann desselben ward. Er war im Zahr 1526 gc-bohrcn, studirte zu Oxford und Cambridge, und sahe Frankreich und Italien . Alle seine poetischen Werke aber hat cr vor dieserReise geschrieben, und es scheint überhaupt nicht, daß cr, ins-besondre zu seiner Tragödie, durch irgend ein ausländisches Mu-ster sey ermuntert worden. Sie ward dcn 16 Zcnncr 1561zum ersten mal, in Gegenwart der Königin Elisabeth aufgeführt;und der Znhalt ist aus der alten englischen Geschichte genommen.
(°) Man sehe dcn angcftthrtcn uiaiogue ckc, S. 30.