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Theatralische Bibliothek.
tcrs Philipp Sidney ersehen. „Unsere Trauerspiele und Lust-spiele, sagt er in seiner Vertheidigung Scr Dichtkunst, „be-obachten weder die Regeln des Wohlstandes, noch der Dicht-kunst. Die eine Seite des Theaters ist Asien und die andere„Africaz und dazwischen liegen noch so viele Königreiche, daß„jeder auftretende Schauspieler es sein erstes Wort muß seyn„lassen, uns zu sagen, wer und wo er sey, weil man seine„Rede sonst unmöglich würde verstehen können. Mit cincmmal„kommen drey Frauenzimmer, welche Blumen suchen, und wir„müssen glauben, daß das Theater einen Garten vorstelle.„Nebenher hören wir, daß ein Schiff auf eben demselben Platze„verunglückt sey; und nun muß das Theater ein User oder ein„Fels seyn. Gleich darauf erscheint in dem Hintertheile der„Schaubühne ein entsetzliches Ungeheuer, welches Feuer spcyet,„und das Theater ist folglich eine Höhle. Nun kommen ge-schwind ein halb Dutzend Kerle mit Schwerdtcrn und Schil-„dcn, die ein Kriegeshecr vorstellen, herein gelaufen, und wir„werden gebeten, das Theater für ein Schlachtfeld zu halten?c.„So gehen unsere Dichter mit dem Orte um; und mit der„Zeit sind sie noch weit freygebiger. Gewöhnlicher Weise ver-„ liebt sich ein junger Prinz in eine junge Prinzcßin; nach man-„chcrlcy Unglück und Verwirrung kömmt die Prinzcßin in ge-segnete Umstände, und wird zu gehöriger Zeit von einem ge-funden und Wohlgestalten Knaben entbunden. Dieser wird„vcrlohrcn, findet sich wieder, wird groß, verliebt sich, und„würde vielleicht selbst wieder einen jungen Sohn sehen, wenn„nicht der Vorhang zufiele zc.
Endlich ward zu Anfange des vorigen Jahrhunderts dasenglische Theater auf eine weit Höhcrc Staffel der Nollkommcn-hcit gebracht. Shakcspear, Neaumont, Fletcher und BcnJohnson waren die großen Genies, die es mit unsterblichenWerken bereicherten, und es auf einmal zu einem Theater mach-ten, welches, nach dem Griechischen, für einen Kenner derschönen Wissenschaften das aller interessanteste ist, und demAnsehen nach auch bleiben wird.
Von dicscr Zcit an kann man die Geschichte des englischen