Entwürfe ungedruckter Lustspiele des italiänischen Theaters. 366
könne sich daher nicht enthalten, ihr als ein ehrlicher Bruder zuentdecken, daß Mario allen Arten des Vergnügens sehr ergebensey, und besonders gern allen Frauenzimmern, die ihm vor-kommen, Schmcichclcycn sage. Flaminia ist zwar über das, wassie von dem Charakter des Mario erfährt, vcrdrüßlich, gleich-wohl aber ist es ihr auch lieb, davon Nachricht zu haben, undbegicbt sich weg. Nun findet Mario den Lclio; dieser wünschtihm zu seiner Vcrhcyrathung mit der Flaminia Glück, nnd be-zeigt, wie viel Vergnügen und Ehre ihm diese Verbindungbringen werde, doch sagt er ihm auch zugleich, daß er, als seinFreund und künftiger Schwager, ihm unmöglich den Charakterseiner Schwester verbergen könne, die von einer so stolzen undgcbicthcrischcn Gemüthsart sey, daß niemand mit ihr lebenkönne. Mario dankt seinem Freunde für die ertheilte Nach-richt und geht ab. Albert kömmt mit seiner Tochter Hortcnsc,und stellt sie ihm als seine versprochene Braut vor. Nach ei-nigen Höflichkeiten von beyden Theilen, bemerkt Albert einegewisse Verwirrung und fragt ihn um die Ursache. Lclio er-wiedert, daß cs scinc Aufrichtigkeit nicht erlaube, ihm etwas zuverbergen, und gesteht ihm gerade zu, daß die Aussteuer, dieer seiner Tochter mitgeben wolle, aus seinen Händen in dieHände des Mario, als die Mitgift für seine Schwester Flami-nia, welche Mario hcyrathe, kommen solle. Pantalon, der dazukömmt, ist nicht wenig erstaunt, seinen schönen Anschlag durchdic allzugrosse Aufrichtigkeit seines Sohnes vernichtet zu sehen.Mario und Flaminia werffcn sich ihre beydcrscitigcn Fehler vor,und Albert sagt dem Pantalon, daß er seiner Tochter keineAussteuer gebe, damit eine andere damit ausgesteuert werdenkönne; ein jeder geht also höchst mißvergnügt ab, und beson-ders flucht Pantalon auf seinen Sohn und dessen unzcitige Auf-richtigkeit. Dieser bleibt ganz allein und beschließt das Stückdamit, daß er sagt, er könne unmöglich länger in einer Stadtbleiben, wo er die Aufrichtigkeit, deren er sich bcflcisse, nichtausüben dürfe; er wolle sich daher an den Hof begeben, undda die Kunst sich zu verstellen lernen, um in Zukunft wenigeraufrichtig zu seyn.