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Theatralische Bibliothek.
daß er nicht mehr an mich denken solle- Dorantc nimmtdie Commißion, obgleich ungern, über sich, und verspricht, ihrAntwort zu bringen. Zsabclle geht ab, nachdem sie sich diesenStein vom Herzen gcschaft. Dorantc, der anfangs allein abzu-reisen glaubte, freuet sich, daß ihm Valere werde Gesellschaft lei-sten müssen. Valere kömmt herbey, ohne den Dorantc zu sehen,und ist wegen der Art sehr verlegen, mit welcher er ihm dasVorgefallene beybringen will. Wenn er Angeliquen liebt,sagt er, und erfahrt, Saß ich sie auch liebe, so roird er esfür einen sehr schleckten Streick hallen, ^ier ist er; ickmuß das, rvas mir Angclique an ihn aufgetragen, ausrichten.Sie bringen also nunmehr einer dem andern bey, daß sie vonden Personen, für welche sie bestimmt worden, nicht geliebtwerden. Als aber Dorante dem Valere abzureisen vorschlägt,stutzet er nicht wenig, daß ihm dieser antwortet: ick kann nickt.Er gestehet ihm endlich, daß er Angcliqucn anbete, daß er vonihr geliebt werde, und daß ihr seine Philosophie besser gefalle,als Dorantcns. Dorantc umarmt ihn, und wünschet ihm Glück.A.eben Sie rvohl, mein Freund, sagt er; ick rvill noch zuIsabcllen gehen, ihr von meiner Unterhandlung Berichtabzustatten, und Abschied von ihr zu nehmen.
Zsabclle eröfnct den dritten Aufzug mit einer Monologue,in dcr sie die Unruhe ihres Herzens zu erkennen giebt; sie fürch-tet ihren Vater zu kränken, wenn sie die angetragene Hcyrathausschlägt, und ist zugleich bange, was Dorante werde ausge-richtet haben, den sie eben wahrnimmt. Er entdeckt ihr, daßcs Valcrcn sehr angenehm sey, daß sie ihn nicht liebe, daß erhingegen ihre Muhme liebe und von ihr wieder gclicbet werde.Zsabclle erstaunet nicht wenig, daß ihre Muhme ihrem Verständeso zu nahe trete und den Dorantc nicht liebe, der cs doch sowohl vcrdicnc; sie scheinet wider das Betragen dcr Angcliqucganz aufgebracht zu seyn. Hier fängt sich die Liebe des Doran-tcn an zu entdecken. Er kann sich nicht enthalten, ihr ihrenSieg übcr scin Herz zu gestchen. Sie empfängt seine Erklärungmit cincm freudigen Erstaunen; glaubt aber noch immer, daßsie Dorante hintergehen wolle. Dorante braucht alle Mittel, siezu überreden und endlich läßt sie sich überreden. Frontin, der