Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
401
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Entwürfe ungcdruckter Lustspiele des italiänischen Theaters. 401

sten Besuche vorzufallen Pflegen, bittet die vermeinte ElianteDorimcncn um Erlaubniß, einem von den Bedienten ins ge-heim etwas befehlen zu dürfen. Dorimcne vergönnt es, woraufsie sich beyde niedersetzen und Eliante sogleich ihr Herz folgen-der Gestalt ausschüttet.

Marthon, oder die vermeinte Eliante. Nicht in demGeräusche der Welt, wo uns tausend Ersetzungen zerstreuen,haben wir die Ucbcrraschungcn der Liebe am meisten zu fürch-ten. Das Zahr der Stille und Eingczogcnhcit, welches ich demAndenken meines verstorbenen Gemahls gewidmet hatte, warnoch nicht ganz verflossen, als eine von meinen Freundinneneinen ihrer Anverwandten zu mir brachte. Wie liebenswürdigwar er! Welcher Anblick für ein Herz, das der Wohlstandseit zehn Monaten nöthigte, sich nur mit traurigen Ideen zubeschäftigen, und dessen Begierden sich durch die wenige Thä-tigkeit, die ich ihnen erlauben dürfte, nur vermehrten. Dic-ser junge Mensch legte verschiedene Besuche bey mir ab; undendlich gestand er mir, daß er mich liebe. Zch antworteteihm, ich sey entzückt darüber, und liebe ihn auch recht sehr.

Dorimene- Dieser Anfang verspricht viel.

Marchon. Er ward über meine Antwort unwillig.

Dorimcne- Nun? Und was wollte er denn?

Marrhon. Er wollte, ich hätte mir bey dem Bekennt-nisse seiner Leidenschaft ein strenges Ansehen geben sollen;ich hätte ihn mißhandeln sollen. Kurz, er wollte, daß ichmich grausam gegen ihn bezeigte; ich aber war viel zu fein,ihm hierum seinen Willen zu thun.

Dorimene. Zu sein? Von dieser Feinheit verstehe ich nichts.Marchon. Und gleichwohl ist sie höchst vernünftig. Darfein Frauenzimmer, das sich von ihrem Liebhaber am Nacht-tische gesehen zu werden fürchten muß, das ihm nur durcherborgte Rcitzc Liebe cinzuftösscn weis, darf so ein Frauen-zimmer auf ihre Eroberung wohl stolz seyn?

Dorimcne. Gewiß nicht.

Marthon. Was sind aber die kleinen Weigerungen, dieHindernisse, die Schwierigkeiten, wodurch wir die Leidenschafteines Liebhabers reißen? Sie sind unserer Person eben so

Lcssinas Werke lv, 26