402
Theatralische Bibliothek.
„wenig eigen, eben sowohl erborgt als Blcyweiß und Schminke;„und man kann sich also auch aus dasjenige Herz, das sie uns„erhalten müssen, wenig oder nichts zu gut thun. Allein es„wissen, daß unsere Bereitwilligkeit einen Liebhaber leicht nach-„läßig, kalt und schläfrig machen kann, und ihm dennoch diese„Hülse wider unsere Rcilzc selbst leihen, um ihn mit desto mehr„Ehre überwinden zu können, das, das nenne ich sein gedacht,„und so wie eine Heldin denken muß, die sich ihres Werths„bewußt ist, und ihre Siege nur sich selbst zu danken haben„will. — Kurz, er mußte sich nach meiner Moral bequemen.
„Dorimcne. Ich sollte auch meinen, daß sie bcgncmlich„genug wäre.
„N?6tthon. Er wollte in dem Geschmacke der Romanen,„die er gelesen hatte, lieben; jetzt aber ist er kein solcher Ncu-„ling mehr, wie Sie bald selbst sehen und mir es zugestehen sollen.
„Dorimcne. Ich? Madame!
„Marthon. Er liebt Sie; Sie entrcisscn mir ihn zc.
Diese Scene gefiel bey der Vorstellung wegen ihres para-doxen und seltsamen Inhalts ungemcin. Zum Schlüsse machtEliantc Dorimcncn sehr lebhafte Vorwürfe, daß sie ihr einenGefangen entführe, den sie mit der besten Art gemacht habe.Dorimcnc vertheidiget sich wegen des Raubes, den Marthonihr Schuld giebt; doch die wahre Eliantc, die als Cavalicr vcr-klcidct dazu kömmt, übcrzcugt sic desselben vollends. Ehe abcrdicscr vcrmeinte Eavalicr erscheinet, sagt Marthon zu Dorimc-ncn, daß sic ihn selbst, in Dorimcncns Namcn, habe rufcnund ihm sagen lassen, daß cr sich, um nicht erkannt zu werden,in einem Mantel verhüllt, zu ihr begeben solle. Sie verlange,daß cr sich übcr sie bcudc crklärc, und bittct um Erlaubniß,sich cincn Augenblick verbergen zu dürfen. — Einige Stellenaus der nun folgenden Scene, werden dem Lcscr nicht unan-genehm seyn.
„Eliantc- (im kLone eines Pctitmaitres) Wenigstens hat„mich niemand erkannt. Ohne uns zu schmeicheln, wir sind„bey dergleichen Abenthcucrn öfterer gcwcscn.
„Dorimene- Mein Herr--
„Eliante- Zum Henker, Mademoiselle, wie glücklich bin