Vorrede zu Mylius Schriften.
der ohnedem schon der stärkste nicht ist, weil er kein Körper ei-nes Holzhackcrs werden sollte? Und glauben Sie mir, meinHerr, in diesem Falle war unser M>'lius, oder es ist nie einerdarinnc gewesen. Er ward in einem Dorfe gebohrcn, wo ergar bald mehr lernen wollte, als man ihn daselbst lehren konnte.Er ward von Acltcrn gebohrcn, deren Vermögen es nicht zu-ließ, ihn aus einer andern Ursache studircn zu lassen, als daßer einmal, nach der Weise seiner Vater, von einer geschwinderlernten Biowissenschaft leben könne. Er kam auf eine Schule,die ihn kaum zu dieser Brodwissenschaft vorbereiten konnte. Erkam auf eine Akademie, wo man beynahe nichts so zeitig lernt,als ein Schriftsteller zu werden. Er fiel einem Manne in dieHände, welcher durch Wohlthaten manchen jungen Witzling zuseinem Norfechtcr zu machen wußte. Er besaß eine natürlicheLeichtigkeit zu reimen,-und seine Umstände zwangen ihn, sichdiese Leichtigkeit mehr zu Nutze zu machen, als es dem Vor-satze ein Dichter zu werden zuträglich ist. Er schrieb, und diegrausame Verbindlichkeit, daß er viel schreiben mußte, raubteihm die Zeit, die er seiner liebsten Wissenschaft, der Kenntnißder Natur, mit bessern Nutzen hätte weihen können. Er ver-ließ endlich die Akademie, und begab sich an einen Ort, wo esihm mit seiner Gelehrsamkeit beynahe wie denjenigen ging, dievon dem, was sie einmal erworben haben, zehren müssen, ohneetwas mchrcrs dazu verdienen zu können. Nach einiger Zeitward er zu einem Unternehmen für tüchtig erkannt, von wel-chem einige Leute sagten, daß man sich nur aus Verzweiflungdazu könne brauchen lassen. Er wollte und sollte reisen; er rei-fere auch, allein er reiscte auf fremder Leute Gnade; und wassolgt auf fremder Leute Gnade? Er starb. - - Ja, mein Herr,das ist sein Lebcnslauf. Ein Lebcnslauf, ohne Zweifel, inwelchem das Ende das unglücklichste nicht ist. Und doch be-haupte ich, daß er mehr darinnc geleistet hat, als tausend an-dere in seinen Umständen nicht würden geleistet haben. DerTod hat ihn früh, aber nicht so früh überrascht, daß er keinenTheil seines Namens vor ihm in Sicherheit hätte bringen kön-nen. Hiermit tröste ich mich noch; noch mehr aber mit der ge-wissen Ueberzeugung, daß er in einer vollkommen philosophischen
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