Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
449
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Vorrede zu MylinS Schriften.

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mm imd Dcnkcn nie getrennt. Ich führe folgende Stelle ansdem Gedächtnisse an:

Was aber wurde wohl dort im Komet gcbohrcn?Ein widriges Gemisch von Lappen und von Mohren,Ein Volk, das unverletzt vom Aeußcrstcn der Welt,Wo Nacht und Kalte wohnt, in lichte Flammen fallt.Wer ist der dieses glaubt?Ohne Zweifel brachte diese Frage den Hrn. 5N)-lms auf. Erwollte es seyn, der es glaubte. Noch mehr, er wollte esseyn, der auch andre, es zu glauben, nöthigte. Er setzte sichalso, und schrieb ein ziemlich lang Gedichte, worinncn er vonder Möglichkeit der Bewohner der Kometen, die der Hr. Prof.Röstner nicht geleugnet hatte, und von ihrer Wahrscheinlichkeit,die aber unter seinen Handen noch ziemlich unwahrscheinlich blieb,handelte.

Der Vorsatz an sich selbst war keines Tadels werth;wie ein Dichter, den Herr Mhlins nicht wohl leiden konnte,bey einer ähnlichen Gelegenheit spricht. Nur Schade, daß erseine Einbildungskraft nicht besser dabey anstrengte; nur Schade,daß er den kurzen und ncrvcnrcichcn Ausdruck nicht in seinerGewalt hatte; nur Schade, daß er sich von dem Reime fort-rcisscn ließ, nnd in sein ganz Gedicht noch lange nicht so vielgute Gedanken brachte, als wir gute Beobachtungen von Kome-ten haben. Ein Freund hat so gar nicht mehr, als eine ein-zige schöne Zeile darinne gefunden z diese nämlich:

Was uiitzt der größte Stern, der ewig mnfiig geht?Er glaubte eine feine Anspielung auf die grossen einflußlo-sen Sterne unter den Menschen darinne zu sehen, von der sichnoch zweifeln läßt, ob sie nnscr Poet dabey gedacht hat. Wasfür einen artigen physikalischen Roman hätte er uns machenkönnen, wenn er den innern Reichthum seiner Materie rechtgekannt und ihn gehörig zu brauchen gewußt hätte! Aber wares von ihm damals zu verlangen? War es von den, gcschwor-ncn Schüler eines Meisters zu verlangen, der Reimer dieMenge, aber auch nichts als Reimer gezogen hat? Genug, daßHr. XNylius in den Aufsätzen, die von seiner Feder in denBelustigungen stehen, alles geleistet hat, was ein Gottschediancr

LessinqS Werke IV, 29