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Vorrede zu Mylius Schriften.
leisten kann. Die poetischen sind fließend, und ohne Mittel-wörter; und die prosaischen sind gedehnt und rein - - Sie se-hen wohl, mein Herr, daß ich mir heute kein Blatt vors Maulnehme. Ich wäre aus guten Wegen; wenn ich nur nicht ab-brechen mußte. Leben Sie wohl!
Dritter Brief.Vom 22. April.
Freylich hat sich Herr Mylius auch in wöchentlichen Sittcn-schriftcn versucht. - - Sie wissen, mein Herr, wer die erstenVerfasser in dieser Art waren. Männer, denen es weder anWitz, noch an Ticfsinn, noch an Gelehrsamkeit, noch an Kennt-niß der Welt fehlte. Engländer, die in der größten Ruhe undmit der besten Bequemlichkeit, auf alles aufmerksam seyn konn-ten, was einen Einfluß auf den Geist und auf die Sitten ih-rer Nation hatte. - - Wer aber sind ihre Nachahmer unteruns? Größtcnthcils junge Mißlinge, die ungefehr der deutschenSprache gewachsen sind, hier und da etwas gelesen haben, und,was das betrübtcstc ist, ihre Blätter zu einer Art von Rentenmachen müssen. - - - Hr. Mylius war noch nicht lange in Leip-zig , als er mit dem Zahr seinen Freygeist anfing, undihn durch zwey und fünfzig Wochen glücklich fortsetzte. DerTitel versprach viel, und ich glaube nicht, daß man zu unsernZeiten leicht einen anlockendem finden könnte. Zch weis es ausdem Munde des Verfassers, daß er sich nie hingesetzt, einBlat von demselben zu machen, ohne vorher einige Stücke ausdem Zuschauer gelesen zu haben. Diese Art sich vorzubereitenund seinen Geist zu einer cdcln Nachcifcrung aufzumuntern,war ohne Zweifel sehr lobcnswcrth. Freylich kann sie nur beydenen von einiger Wirkung seyn, die schon vor sich Kräfte ge-nug hätten, nichts gemeines zu schreiben. Denn denen, welchendiese Kräfte fcblcn, wird sie zu weiter nichts nützen, als dieäußerliche Einrichtung zu ertappen. Sie werden uns bald einBriefchen, bald ein Gespräch, bald eine Erzeblung, bald einGcdichtchen vorlegen, und in dieser abwechselnden Armuth sichihren Mustern gleich dünken, deren wahre Schönheiten sie nichteinmal einsehen. - - Hr. Mylius sahe sie allerdings ein, undman kann nicht leugnen, daß sich nicht ein großer Theil von