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Vorrede zu Myllus Schriften.
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seinem Frcygciste sehr wohl lesen lasse. Verschiedene kleine Züge,die er seiner Person darinne giebt, sind etwas mehr als bloßeErdichtungen. Was er zum Exempel in dem drcyzchntcn Blattevon des Boethius Troste der Vveltrveisheit sagt, ist gänzlichnach den Buchstaben zu verstehen. Er hatte von diesem gelieb-ten Buche eine Ausgabe in sehr kleinem Formate, die er einelange Zeit, anstatt der geriebnen Wurzeln und Rräuter,roelche andre aus Artigkeit in die Nase stopfen, in einerSchnupftabacksdosc bey sich trug. Die Übersetzung, die er anangeführtem Orte daraus mittheilt, macht ihn zum Erfinder ei-ner im Deutschen noch nie gebrauchten Vcrsart, der adonischcnnämlich; und es ist seine Schuld ohne Zweifel nicht, wenn er keineNachahmer darinne gehabt hat. Was übrigens den Inhalt desFreigeistes anbelangt, so wird auch der eigensinnigste Splittcr-richtcr nicht das geringste darinne finden, was der christlichenTugend und Religion zum Schaden gereichen, könnte. Gleich-wohl aber ward cs - - - und dieses muß ich Ihnen zu meldennicht vergessen - - seinem guten Namen cinigcrmaaßcn nachthci-lig, ihn geschrieben zu haben. Er behielt von der Zeit an denTitel seines Buchs statt eines Bcynamcns, und seine Bekanntenwaren noch lange hernach gewohnt, die Namen XNylius undFreygeist eben so ordentlich zu verbinden, als man jetzt dieNamen Edelmann und Religionsspörrer verbindet. Sie kön-nen sich leicht einbilden, daß diese Verbindung bey denen, welchedie wahre Ursache davon nicht wußten, oft ein sehr empfindli-ches Mißverständnis^ werde verursacht haben. Es ist aber soungcgründct, daß ich cs auch nicht mit einem Worte weiterwiderlegen will. Ich will Ihnen vielmehr noch etwas von sei-ner zweyten moralischen Wochenschrift sagen, die er bald nachseiner Ankunft in Berlin heraus gab. Sie hieß der Wahr-sager. Er kam nicht wcitcr damit, als bis auf das zwanzigsteStück. Die fernere Fortsetzung ward ihm höheres Orts verbo-then, und cs wärc seiner Ehre zuträglicher gewesen, wenn manihm gleich den Anfang untersagt hätte. Ich kann Ihnen nichtsagen, wie ungleich er sich darinne sieht! Die Schreibartist nachläßig, die Moral gemein, die Scherze sind pöbelhaftund die Satyrc ist beleidigend. Er schonte niemanden und
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