Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
471
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Aus dcr Berlinischen Zeitung vom I. 1764. 471

Helm Hogarth . Aus dem Englischen übersezt von C. Mylius,London bey 2lnd. Linde 1754. in 4to auf 20 Bogen nebst zweygrossen Rupfertafeln. Herr Hogarth ist unstreitig einer dcr größ-ten Mahler, welche England jemals gehabt hat. WaS ihn besondersberühmt gemacht, ist dieses, daß er in alle seine Gemählde eine Artvon satyrischer Moral zu bringen gewußt, die das Herz an dem Ler-gnügen der Augen Theil zu nehmen, nöthiget. Natur, Lebe» undReitz, hat man durchgangig darinne bewundert, und diese bey ihmfür die Wirkungen eines glücklichen Genies gehalten, bis er in demgegenwärtigen Werke zeigte, daß auch ein tiefes Nachdenken über dieGegenstände seiner Kunst damit verbunden gewesen. Und diesem Nach»denken eben haben wir eine Menge neuer Ideen zu danken, die indcr ganzen Materie von der Schönheit ein Licht anzünden, das mannur von einem Manne erwarten konnte, dem auf der Seite des Ge-lehrten eben so wenig, als auf der Seite des Künstlers fehlte, Erhat seine Schrift in sicbenzehn Hauptstücke abgetheilt. In den erstenscchsen handelt er von den schon bekannten Gründen, von welchen mandurchgängig zugesteht, daß sie, wenn sie wohl vermischt werden, allenArten von Zusammensetzungen, Annehmlichkeit und Schönheit geben.Diese Gründe sind: die Richtigkeit, die Mannigfaltigkeit, die Gleich-förmigkeit, die Einfachheit, die Verwicklung und die Grösse, welchealle bey Hervorbringung der Schönheit zusammcu wirken, indem sieeinander gelegentlich verbessern und einschrenken. In dem siebendenHauptslücke wendet er sich zu den Linien, in welche alle Formen ein-geschlossen seyn müssen, und findet, daß die Wellenförmige Linie diewahre Linie der Schönheit, und die Schlangenlinie die wahre Liniedes Reitzes sey. Auf dcr Betrachtung dieser beyden Linien beruhtdas ganze Hogarthsche System von der Schönheit. Er zeigt nehmlich,wie aus ihrer Zusammensetzung alle angenehme Formen entstehen, undwie wunderbar sie besonders in dem Meisterstücke aller sinnlichen Schön-heit, in dem menschlichen Körper, angebracht sind. Auch in dcn übri-gen Hauptstücken, wo er von den Verhältnissen, von dem Lichte undSchatten, und von den Farben redet, zeigt er ihren Einfluß, welchersich besonders in dem 16ten Hanptstücke von der Stellung, am meistenäusscrt. Man darf nicht glauben, daß bloß Mahler und Bildhaueroder Kenner dieser beyden Künste, das Hogarthsche Werk mit Nutzenlesen können. Auch Tanzmcister, Redner und Schauspieler, werden