472 Ans der Berlinischen Zeitung vom I. 1754.
die vortrcflichsten Anmerkungen darinnen finden, und noch mehreredurch kleine Anwendungen selbst daraus ziehen können. Ja so garDichter und Tonkünstlcr, werden, vermöge der Verbindung welche alleschönen Künste und Wissenschaften untereinander haben, ähnliche Gründeder Schönheit in den Werken des Geistes und der Töne darinne ent-decken, und ihren schwankenden Geschmack ans feste und unwandelbareWegrisse zurückbringen lernen. Die zwey darbet) befindlichen Kupfer-tafeln sind von der eignen Hand des Herrn Hogarths, die ihnen mitFleiß nicht mehr Schönheit gegeben hat, als sie zum Unterrichten nö-thig haben. Von der Güte der Uebersctzung dürfen wir hoffentlichnicht viel Worte machen, da sie sich von einem Manne herschreibt,der selbst mit dem Schönen in der Natur und Kunst bekannt war,und den wir zu beyder Ausbreitung viel zu zeitig vcrlohren haben.Sein Aufenthalt in London verschafte ihm Gelegenheit, den HerrnHogarth selbst bey der Ucbcrsetzung zu Rathe zu ziehen, welches erauch so oft gethan zu haben versichert, daß man seiner Ucbersetzungdadurch eine Art von Avthcnticität beylegen kan. Kostet in der Vo-ßischcn Buchhandlung hier und in Potsdam Z Rthlr.
(2Z. Junius.) Wir haben vor weniger Zeit der HogarthschenZergliederung der Schönheit ic> gedacht, und sie als ein Werk,das voll neuer Gedanken sey, angepriesen. Wir haben gesagt, daßeS ein Lehrgebäude enthalte, welches einzig und allein geschickt ist, dieverschiedene Begriffe der Menschen von dem, was gefällt, auf etwasgewisses zu bringen, und das elende Sprichwort, daß man über denGeschmack weder streiten könne noch dürfe, aus dem Munde des Pö-bels und der Gelehrten zu verbannen. Es enthält, wie wir berührthaben, keine leeren und unfruchtbaren Betrachtungen, die mit Rechtden Namen Grillen verdienen, wenn sie keine praktische Anwendungleiden, sondern der Nutzen desselben erstreckt sich so weit, als sich dasSchöne der Formen erstreckt. Alle Künste und Wissenschaften, die sichdamit beschäftigen, werden ein neues Licht daraus entlehnen können.Der Philosoph, der Naturalist, der Antiquar, der Redner auf derKanzel und ans der Bühue, der Mahler, der Bildhauer, der Tänzer,haben es fast für ein unentbehrliches Buch zu betrachten. Doch nichtsie allein, sondern auch alle, welche sich mit dem Titel der Kenner be-gnügen lassen, aber oft von Dingen, wobey es auf die Nachahmungder schönen Natur ankommt, so unbestimmte und widersprechende Ur-