Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1764. 489
(31. Oct.) Das Thantillysche Mägdchen oder die Geschichteeines parisischen Frauenzimmers in den Briefen des Herrnan einen guten Freund; aus dem Französischen übcrseyt- ZZreß-lau und Leipzig verlegrs Daniel piethsch 1765,, In 8vo. 1Alphb. Man behauptet in der Vorrede, daß diese Geschichte aus ei-nem französischen Manuscripte, welches in seiner Sprache noch nichtgedruckt worden, übersetzt sey. Vielleicht aber ist dieses Manuskripteine Erdichtung, und man hat ein deutsches Original mit einer gutenEmpfehlung wollen in die Welt bringen. Es mag das eine, oderdas andre wahr seyn, so ist doch so viel gewiß, daß weder der deut-sche noch der französische Witz sich auf diese Geburth viel einbildendarf. Die Heldin ist die Tochter eines GastwirthS in Paris , ausChantilly gebürtig; aber es ist nicht so wohl ihr Leben, welches manuns beschreibt, als das Leben eines ihres Anbcthers, welcher sie nurimmer auf der tugendhaften Seite kennt, und sich mit Mühe undNoth von ihren Fesseln loswickeln kann. Der Briefsteller ist dieserLiebhaber selbst, und er läßt uns seine Göttin eben so wenig kennenlernen, als er sie selbst gekannt hat. Das wichtigste von ihr zeigt eruns nur immer in der Entfernung; der Leser muß nur rathen, aberer wird müde, immer einerley zu rathen. Kurz, er muß viel Geduldhaben, wenn er dieses Alphabet durchlesen will. Unterdessen wollenwir ihm ein Mittel, es so weit zu bringen, nicht verbergen. Derweise Setzer hat die Namen der Personen durch das ganze Buch mitlateinischen Buchstaben ausgedrückt. Durch Hülfe dieser Buchstabenalso, welche deutlich genug in die Augen fallen, kann man fein alleMoral, die der Verfasser, bis zum Gähnen reichlich, eingestreuet hat,überhüpfen, und sich beständig an den Faden der Geschichte halten,welcher kurz genung ist. Man darf nur Acht geben, wenn eine neuePerson dazu kömmt, von dieser ein Paar Worte mit auffangen, undimmer fortlesen, so lange man noch ungefehr weis, was geschieht.Man wird auf diese Art in einer Stunde durch 72 Briefe durch seyn,die man sonst in sechs Stunden, und wenn man den Eckel, den sieerwecken können, mit in Betrachtung ziehet, in Jahr und Tag nichtwürde durchgelesen haben. Kostet in den Vossischen Buchläden hierund in Potsdam 6 Gr.
(6. Nov.) Begebenheiten des Roderich Random. Aus derdritten Englischen Ausgabe überseyt. Erster Theil. Hamburg