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Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 47A4.
bey Chr. Will). Brandt 1755. SS wäre zu viel Nachsicht, wennman das Vorurtheil, welches die englischen Romane für sich haben,auch diesen Begebenheiten wollte zu gute kommen lassen. Ihr Verfasserist weder ein Richards»» noch ein Fielding; er ist ein Schriftsteller,wie man sie bey den Deutschen und Franzosen in der Menge antrift.Er gesteht, daß er sich besonders den Herrn le Sage zum Muster ge-wchlt habe, dessen Eil Blas wohl ein Meisterstück des komischen Ro-mans bleiben wird. Aber wie weit ist er unter ihm geblieben! Esmüßte sehr wunderbar zugehen, wenn deutsche Leser von Geschmack anden Schulstrcichen, an den Bordellhistörchen, an den Valgereyen undan den Schifsabentheuern, eben so viel Wohlgefallen finden sollten,als der englische Pöbel daran muß gefunden haben, der bereits dreyAusgaben davon unter sich getheilet hat. Am Ende dieses Theils fin-det man den Held in sehr mißlichen Umständen, so daß er den ver-zweifelten Entschluß faßt, zu sterben. Mau darf sich aber nicht bangeseyn lassen, weil er noch den zweyten Theil geschrieben hat, den manhoffentlich wohl auch bald deutsch zu lesen bekommen wird. Die Ucbcr-setzung scheinet ein wenig in Eil gemacht zu seyn. Kostet in den Vossi-schcn Buchläden hier und in Potsdam 10 Gr.
(9. Nov.) ^?»Sout « /a Mo^s oder des Neologischen Wör-terbuchs erste Zugabe von mir selbst 17ZZ. In 8vo. 1^ Dogen.Wenn daS Reologische Wörterbuch, oder, es bey dem abgeschmacktemTitel zu nennen, wenn die Aesthetik in einer Nuß mir den geringste»Schaden angerichtet oder auch nur Leser gefunden hätte, so würde»wir nicht ermangeln, dieses Ragout als ein vortreflichcs Gegengiftanzupreisen. Da sie aber in einem Augenblicke erschien und vergessenward, so befürchten wir fast, daß ein gleiches Schicksal auch ihre Zu-gabe, unschuldiger Weise, treffen werde. Unterdessen ist es doch rechtgut daß man den Narren nach ihrer Narrhcit antworte, und ihnenkeine Gegenrede schuldig bleibe, damit sie es auch selbst erfahren, daßsie Narren sind. DaS Ragout bestehet aus einer Unterredung zwischeneinem Schüler und seinem Lehrmeister. Man hat diese katcchetische Me-thode ohne Zweifel wegen der Deutlichkeit gewählt, um es fei» einemjeden begreiflich zu machen, daß nicht allein der Verfasser des Wörter-buchs ein seichter Kopf und förmlicher pasquillant sey, sondern auchdaß der Herr Prof. Gottsched mit mehrerm Rechte als Bodmer undRlopstock unter die Neologischen Schriftsteller gehöre; es müßte ihm