494 Aus der Berlinischen Zeitung vom Z. 4764.
Jeder Theil 20 Bogen. Die historischen Werke des Herrn Rollinsind mit so allgemeinem Beyfalle aufgenommen worden, daß es keinWunder ist, wenn man von allen Seiten Fortsetzer derselben auftretensieht. Wir müssen gestchen, das der gegenwärtige völlig das Ansehenhat, als ob er einer von den glücklichsten derselben werden würde. Erhat sich folgenden Plan gemacht: Vor allen Dingen, spricht er, willich mich bemühen, das, was den Ursprung und den Wachsthum einesjeden Volks betrift, aus einander zu wickeln. Ich will die Epocheund die vornehmsten Umstände seines Aufnehmens, die Ordnung seinerDynastien, seine berümtesten Regenten, und die merkwürdigsten Ver-änderungen, die es erlitten hat, anzeigen. Hierauf will ich mit einerArt von Genauigkeit die Lage, den Umfang und die Erenjen seinesReichs, desgleichen die vornehmsten Städte desselben, die Merkwürdig-keiten, die sie enthalten, die Denkmähler der Kunst, und die Hervor-bringungen der Natur bemerken. Endlich will ich mich bestreben, dasGenie eines jeden Volks, ihre RegierungSart, ihre Künste, ihre got-tesdienstlichen Gebräuche, ihre Sitten und ihre Gewohnheiten kennenzu lehren. Dieses, fährt er fort, war ungefehr die Methode, welcheder Verfasser der Geschichte aller Zeiten und Völker in den ersten Thei-len seines vortreflichen Werks beobachtete. Es ist nur zu belauern,daß sich Rollin manchmal davon entfernet hat, und daß uns z. E.seine Geschichte der Perser, der Macedonier und der Römer, ganz undgar nicht diese Verschiedenheit von Gemählden darstellet. Er ist hiernichts als ein eilfertiger Compilator von Belagerungen, Schlachten,Veränderungen und Kriegen; die lehrreichen Ausschweifungen sind sehrselten, und die Begebenheiten folgen überall nach eben der methodischenund einförmigen Art aufeinander, nach welcher sie in langwierigenJahrbüchern erzchlt werden. — — Kann man nunmehr wohl nochzweifeln, daß ein Nachahmer, welcher die Fehler seines Musters ebenso wohl als die Vollkommenheiten einsieht, nicht etwas vorzüglichesliefern sollte? Wenigstens bestätigen die ersten beyden Theile, welchedie Geschichte der Chineser und Japanneser enthalten, diese vortheilhafteVermuthung sehr. Er ist überall pragmatisch und hält sich bey denhistorischen Kleinigkeiten nicht auf, welche das Gedächtniß beschweren,ohne den Verstand zu erleuchten. Dieses macht, daß er sich mit einerLeichtigkeit lesen läßt, die seinem Werke auch auf der Seite des An-