Messings Briefe. 174'^.
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chern Last gewesen als damals. Doch ich hielt es einigermaßen voreine göttliche Schickung, wenn es nicht was unanständiges ist/ daßman auch in solche» kleinen und geringen Sachen sich auf sie beruffenwill. Nach meiner Genesung beschloß ich mit des Hrn. Vaters Ein-willigung in Wittcnberg den Winter über zu verbleiben, und hoffte ge-wiß, dasjenige wieder zu erspahren, was ich in Leipzig zugesezt hatte.Doch ich wurde bald gewahr, daß das was in meiner Krankheit unddurch andre Umstände, die ich aber jezo verschweigen will, auf-gegangen war, mehr als ein Quartal Stipendia ausmachte. Der alteVorsaz wachte also bey mir wieder auf nach Berlin zu gehen. Ichkam, und bin noch da, in was vor Umständen, wißen sie selbst ambesten. Ich hätte längst unterkommen können, wenn ich mir,was die Rlcidung anbelangt ein beßers Ansehn hätte machenkönnen. ES ist dieses in einer Stadt gar zu nöthig, wo man meistensden Augen in Beurtheilung eines Menschen trauet. Nun beynahevor einem Jahre, hatten Sie mir eine neue Kleidung zu versprechen,die Gütigkeit gehabt. Sie mögen daraus schließen, ob meine leztreBitte allzu unbesonnen gewesen ist. Sie schlagen mir cS ab, unterdem Vorwande, als ob ich, ich weiß nicht wem zu Gefallen hierin Berlin wäre. Ich will nicht zweiffcln, daß meine Stipendia we-nigstens noch bis Ostern dauern sollten. Ich glaube also, daß meineSchulden genugsam damit können bezahlt werden. Aber ich sehe wohl,daß die nachthcilig gefaßte Meynung, von einem Menschen, der, wenner mir auch sonst nie Gefälligkeiten erzeugt hätte, mir sie doch gewißjezo erzeugt, da sie mir just am nöthigsten sind, daß sage ich, diesenachtheilig gefaßte Meynung die vornehmste Ursache ist, warum sie mirin meinen Unternehmungen so sehr zuwicder sind. ES scheint ja, alswenn Sie ihn vor einen Abscheu aller Welt hielten. Geht dieser Haßnicht zu weit? Mein Trost ist, daß ich in Berlin eine Menge recht-schaffner, und vornehmer Leute finde, die eben so viel aus ihm machenals ich. Doch Sie sollen sehn, daß ich nicht an ihn gebunden bin.Sobald als ich eine nochmalige Antwort von Ihnen erhalte, worinneSie mir eben das sagen, was ich aus dem lcztcn Briefe habe schließenmüßen, will ich mich ungescumt von Berlin weg begeben. Nach Hausekomme ich nicht. Auf Universitäten gehe ich jezo auch nicht wieder,weil außerdem die Schulden mit meinen StipendiiS nicht können be-zahlt werden, und ich ihnen diesen Aufwand nicht zumuthen kann. Ichgehe ganz gewiß nach Wien, Hamburg oder Hannover . Doch könnensie versichert seyn, daß ich, ich mag seyn wo ich will, allezeit schreiben,und niemals die Wohlthaten vergcßen werde, die ich von ihnen so lange