Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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Ltssings Briefe. 174<I.

kam, selbst Comoedicn zu machen. Ich wagte es, und als sie aufge-führt wurden, wollte man mich versichern, daß ich nicht unglücklichdarinne wäre. Man darff mich nur in einer Sache loben, wenn manhaben will, daß ich sie mit mehrcrn Ernste treiben soll. Ich sann da-her» Tag und Nacht, wie ich in einer Sache eine Starke zeigenmöchte, in der, wie ich glaubte, sich noch kein Deutscher allzusehr her-vorgethan hatte. Aber vlözlich ward ich in meinen Bemühungen, durchDero Befehl nach Hause zu kommen, gestöhrct. Was daselbst vorge-gangen, können sie selbst noch allzuwohl wißen, als daß Ich Ihnendurch eine unnütze Wiederhohlung verdrüßlich falle. Man legte mirsonderlich die Bekanntschaft mit gewißen Leuten, in die ich zufälligerWeise gekommen war, zur Last. Doch halte ich es dabcv Dero Gü-tigkeit zu danken, daß mir andere Verdrüßlichkcitcn, an denen einigeSchulden Ursache waren, nicht so heftig vorgeruckt wurden. Ich bliebein gantzes Vierteljahr in Camenz, wo ich weder müßig noch fleißigwar. Gleich von Anfange hätte ich meiner Uncntschlicßigkeit, welchesStudium ich wohl erwehlen wollte, crwehncn sollen. Man hattederselben nun über Jahr und Tag nachgcsehn. Und sie wer-den sich zu erinnern belieben, gegen was ich mich auf Ihr dringendesAnhalten erklärte. Ich wollte Mcdictnam studircn. Wie übel Sieaber damit zufrieden waren, will ich nicht wicderhohlen. Blos Ihnenzu Gefallen zu leben erklärte ich mich noch überdicses, daß ich michnicht wenig auf Schulsachen legen wollte, und daß es mir gleichseyn würde, ob ich einmal durch dieses oder jenes fortkämme. In die-sem Vorsaze reiste ich wieder nach Leipzig . Meine Schulden warenbezahlt, und ich hätte nichts weniger vermuthet, als wieder dareinzu verfallen. Doch meine wcitläuffnne 2Zekantschaft, und die Le-bens Art die meine Bekannte an mir gewohnt waren, ließen mich aneben dieser Rlippe nochmals scheitern. Ich sahe allzudcutlich, wennich in Leipzig bleibe, so werde ich nimmermehr mit dem, was mir be-stimmt ist, auskommen können. Der Verdruß den ich hatte, Ihnenneue Ungelegenhcit zu verursachen, brachte mich auf den Entschluß vonLeipzig wegzugchen. Ach erwchlte Berlin gleich Anfangs zu meinerZuflucht. Es muste sich wunderlich schicken, daß mich gleich zu derZeit Herr Leßing aus Wittenberg besuchte. Ich rciscte mit ihm nachkurzer Zeit dahin ab, einige Tage mich daselbst aufzuhalten und um-zuschn, und alsdann noch zur Soiiiicnflnsterniß') in Berlin zu seyn.Aber ich ward krank. Ich bin mir niemals selbst zu einer uiierträgli-

') Am 25. Juli 1748.