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Lesfings Briefe. 1760.
meine Sachen so eingerichtet, daß ich auch ohne sie/ diesen Winter ge«mächlich in Berlin leben kan. Gemächlich heißt bey mir, was einandrer vielleicht zur Noth nennen würde. Allein, was thut mir das,ob ich in der Fülle lebe oder nicht/ wenn ich nur lebe. Ich will un-terdeßcn, da ich es noch in Berlin mit ansehe, meine Zeit so anzuwendensuchen/daß ich sie nicht sür verlohrcn schätzen darf, wenn meine Hofnungauch fehl schlägt; und will mich vor allen Dingen bemühen das fertig zumachen wodurch ich mich in Göttingen zu zeigen gedenke. Nur nochvorige Woche habe ich ein sehr beträchtliches Anerbieten des Hrn. B-von DobrcSlaw ausgcschlagen, weil es mich an allen meinen übrigenVorsätzen hindern würde. Diesem Hrn. ist von dem vorigen Königedie Bibliothek des in Franks sowohl wegen seiner Gelehrsamkeit als we-gen seiner Narrhcit bekannten Prof. EbcrtuS, die er an den König vonSpanten wollte vermacht haben, geschenkt worden. Unter den lVlalpt.dieser Bibliothek befindet sich eine lateinische Ucberschung der Lililio-tlloliuo Orientale des Hcrbelot. Diese Uebersetzung nun will der Besitzerjezo drucken laßen, weil sich das Original sehr rar gemacht hat undofft für 30Thlr> bezahlt wird. Weil sie aber sehr unleserlich geschrie-ben, und auch offt der Verstand des französischen darinne sehr falschausgedrücket ist, so hat der B. v. Dobreslaw seit einigen Wochen sehr inmich gedrungen, diese Arbeit zu übernehmen, und das ganze Werk aufsneue umzuschmcltzen. Er versprach mir so lange als ich daran arbeitetefreye Wohnung und Holz, und 20o Thlr. Allein da es eine Arbeit istdie mich wenigstens drey Vierteljahre so brschäfftigen würde, daß ichgar nichts außer derselben verrichten könnte, und also vcrschicdne angc-fangne Sachen müßte liegen laßen, so habe ich eS brdächtlich auSgc-schlagen. Die Fortsetzung des Ihnen bekannten Journals und dieUebersetzung der römischen Historie des RollinS besetze» meine Zeit soschon mehr als mir lieb ist. Da ich übrigens zu Ostern einen Bandvon meinen theatralischen Werken, welcher in den Jenaischcn gelehrtenZeitungen schon längst ist versprochen worden, zu liefern gedenke, deß-gleichen auch eine Ucbersetzung auS dem Spanischen der ^ovellasI^xempIsreZ des Cervantes, so werde ich gar nicht über lange Weilezu klagen haben. Kann ich unterdcßcn auch mit einem Verleger wegendes englischen Werks, wovon ich Ihnen schon zu untcrschicdnenmalcngeschrieben habe, zu Rande kommen, so werde ich eS auch gerne sehen,denn auf meiner Seite habe ich gar nichts mehr daran zu thun. Aufdas Spanische habe ich eine Zeit her sehr viel Fleiß verwendet, undich glaube meine Mühe nicht umsonst angewendet zu haben. Da es