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12 (1840)
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LessingS Briefe. 17Z3.

auch schon mehr Zeit auf die orientalischen Sprachen als auf die Theo-logie selbst gewendet hätte, so würde er doch noch immer zehnmal eherim Stande seyn zu predigen, als ein Schmieder, oder ein andrerCandidat in Camenz. Ich glaube nicht, daß Sie sonst die geringsteKlage seinetwegen führen können.

Hier erfolgen verschi-dne Neuigkeiten. Die Göttingschen Zeitun-gen halte ich ordentlich mit, und sie stehen allezeit zu Dero Diensten,wenn Sie mir nur anzeigen wollen, wie ich sie allezeit bcqucmlichübermachen kan.

Die Historie der Araber habe ich übersetzt. ES werden drey Theile,und den vierten werde ich selbst dazu machen, welcher von der Ge-schichte der Moravidcn in Spanien handeln soll. Ich würde michauf dem Titel genannt haben, wenn ich nicht wegen der Vorrede eini-ges Bedenken getragen hätte.

Die 3 Schreiben a» das publicum haben den König zum Ver-faßer, welcher sie französisch geschrieben hat. Ich habe sie übersetzt.ES ist eine Satyre, ohne daß man eigentlich weis worauf. Weil sieder König gemacht hat, so hat sie viel Aufsehens und verschiednc Deu-tungen verursacht.

Die englische Schrift, wegen deS gegenwärtigen StreitS zwi-schen England und Preussen, die Ihnen aus den Zeitungen bekanntseyn wird, habe ich gleichfalls übersetzt.

Der christliche Verweis hat den Hrn. Prof. Bösen zum Verfaßer,er betrift seinen bekannten Streit mit den Wittenbergischcn Theologen.

Die Brem und Werdische Bibliothek halte ich auch, und willdie folgenden Stücke richtig überschicken; wie ich Ihnen denn wenig-stens alle 8 Tage etwas neues senden könnte, wenn ich nur wüßte,mit was süc Gelegenheit.

Sie schreiben mir von Gottloben. Ich wollte wünschen, daß ichihn hier hätte, und daß Sie mir ihn anvertrauen wollten. Nothsollte er gewiß nicht leiden, und ihm etwas zu lernen würde ich mirein Vergnügen machen. Wird denn Gottfried bald auf die Univer-sität gehen?

Die Zeit erlaubt mir nicht diescSmal mehr zu schreiben. Ichempfehle mich Ihnen, und der Frau Mutter, und u»iarme meineGeschwister. Ich bin Zeitlebens

Dero

Berlin,d. 29 May1753.

ergebenster Soh»Gotthold Ephraim .