Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
23
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Lessings Briefe. 4763.

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lange stille geschwiegen, weil ich auf einen Vater ungehalten gewesen,auf welchen ich nimmermehr ungehalten seyn könnte, wenn er mirauch wirklich etwas zu wider gethan hätte, da Sie mir doch lauterWohlthaten erwiesen haben.

Ich will lieber von dem vergangnen gar nichts mehr erwähnen, alsdaß ich meine Entschuldigungen immer vergebens wiederholen muß.Nur eins geht mir nahe, daß ich die Bekanntschaft mit dem Hrn. M.noch immer hören muß. Sie schreiben; sie sähen wohl daß ich derNachfolger des Hrn. M- hätte seyn sollen und müßen. Ich ver-stehe dieses ganz und gar nicht. Nicht in dem geringsten Stücke binich es, welches ihnen deutlich zeigen könnte, wenn eS sich der Müheverlohnte. ES kömmt aber daher, weil Sie weder eigentlich wißen,was Hr. M- hier gemacht hat, noch was ich hier mache. Ich würdewieder nach Berlin zurückgegangen seyn, wenn Hr. MvliuS auch da-geblieben wäre, wie er denn auch wirklich noch ganzer drev Mo-nate da gewesen ist. Er hat jezo sein Glück auf eine sehr gnte Artgemacht, und es ist ihm eine Professur in Göttingcn versprochen worden,sobald er wieder von seiner Reise zurückkömmt. Auch der ältere Bru-der hat hier eine sehr vortheilhafte Hcyrath von wenigstens loooo Thlrn.gethan. Ich bin vor 44 Tagen auf seiner Hochzeit gewesen; und ichmuß es ihm nachsagen, er mag sonst seyn wie er will, daß er sich im-mer sehr redlich gegen mich erwiesen hat.

ES ist gar nicht mein Wille gewesen, meinen Bruder aus Wit-tenberg htcher zu zichn. Ich habe Sie um nichts gebeten, als ihmdie Erlaubniß zu geben, mich auf einige Wochen zu besuchen. ES sindjezo Ferien in Wittenberg , und er hatte nicht nöthig hier etwas zuverzehren. Sein kurzer Aufenthalt könnte ihm auch auf verschleimeArt nützlich seyn; wenn es auch nur in Ansehung der orientalischenSprachen wäre. Es muß Ihnen nothwendig angenehm seyn, daß erdarlnne etwas besonders thun will, und es ist gewiß, daß er ei» größerGlück dadurch machen kan, als durch die bloße Theologie. In Hol-land gelten die orientalischen Sprachen ungcmein viel, und da ich andem Hrn. Prof. König in Haag einen großen Gönner habe, welcherbey der Statthalterin, deren Bibliothekar er zugleich ist, alles vermag;so würde es etwas leichtes seyn, ihn auf eine vortheilhafte Art dahinzu bringen. Doch Sie haben ihn zu etwas andcrm bestimmt. Er sollpredigen. Ich habe nichts darwidcr zu sagen; dieses aber weiß ichaus der Erfahrung, daß seine LeibeSconstitution gar nicht dazu ist, weiler nicht vermögend ist eine Viertelstunde, geschweige eine ganze, ohneVerletzung zu reden. Doch vielleicht giebt sich dieses, und wenn er