Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
27
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Lessmgs Briefe. 4764.

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An Zoh. David Michaelis.

Berlin , den 16. Octob. 47S4,

Sie haben fortgefahren, mich Ihnen unendlich zu verbinden.--

Wenn ich Ihnen eben nicht bey jeder Gelegenheit meine Ergebenheitdafür bezeigt habe, so ist es mehr aus Hochachtung für Ihre Beschäf-tigungen, als aus Nachlässigkeit geschehen. Es ist zwar nicht fein,wenn man die Danksagungen zusammen kommen läßt; allein es ist dochbesser, als daß man durch die allzusorgfältige Abstattung derselbenübcrlästig wird.

Wenn ich von der uneingeschränkten Billigkeit Ewr. :e. nicht voll-kommen überzeugt wäre, so würde ich mich scheuen, Ihnen das ersteStück meiner Theatralischen Bibliothek zu übersenden. Ich bindarin» so frey gewesen, etwas auf diejenigen Erinnerungen zu erwie-dern, die Sie über meine Juden zu machen die Gütigkcit gehabthaben. Ich hoffe, daß die Art, mit welcher ich es gethan, Ihnennicht zuwider seyn wird. Nur des eingerückten Briefes wegen, binich einigermaßen in Sorgen. Wenn einige anstößige Ausdrücke darinnvorkommen sollten, die ich nicht billige, die ich aber kein Recht gehabthabe zu ändern, so bitte ich Ewr. ic, beständig auf den Verfasser zurück-zusehen. Er ist wirklich ein Jude; ein Mensch von etlichen und zwan-zig Iahren, welcher, ohne alle Anweisung, in Sprachen, in der Ma-thematik/ in der Wcltwcisheit, in der Poesie, eine große Stärke erlangthat- Ich sehe ihn im voraus als eine Ehre seiner Nation an, wennihn anders seine eigne Glaubensgenossen zur Rciffc kommen lassen, dieallezeit ein unglücklicher VcrfolaungSgeist wider Leute seines gleichengetrieben hat. Seine Redlichkeit und sein philosophischer Geist läßtmich ihn im voraus als einen zweyten Spinoza betrachten, dem zurvölligen Gleichheit mit dem erstem nichts, als seine Irrthümer, feh-len werden.

Ewr. ,c. bezeigten in Dero Briefe eine für mich sehr schmeichel-hafte Begierde, nähere Umstände von mir zu wissen, und mich genauerzu kennen. Allein, kann man von einem Menschen ohne Bedienung,ohne Freunde, ohne Glück viel wichtigerS sagen, als seinen Namen?Noch kann ich mich durch wenig anders, als durch diesen unterschei-den. Ich bin «in Oberlausiher von Geburt; mein Vater ist oberster

Prediger in Camenz.--Welche Lobsprüche würde ich ihm nicht

beylegen, wenn er nicht mein Vater wäre!--Er ist einer von

den ersten Ucberseh-rn des Tillotsona. Ich habe in der Fürstcnschulezu Meißen, und hernach zu Leipzig und Wittenberg studirt. Man seht