Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
30
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Ltsfmgs Briefe. 17ZZ.

tergebracht. Herr Voß druckt ihn, und bezahlt seine Mühe so, daßer damit zufrieden seyn kann. Nur Schade, daß man mit seiner Ar-beit nicht recht zufrieden seyn kann, und ich mit meiner Recommandationvielleicht schlechten Dank verdienen werde. Er schreibt so unordentlichund so weitläuftig, daß seine Leser viel Überwindung nöthig habenwerden, von einem Ende bis zum andern zu lesen. Und überhauptscheint mir der Hr. Pastor derjenige nicht zu seyn, für den man ihnbey dem ersten Anblicke halten sollte. Ich fange an zu glauben, daß ersich seine verdrüßlichen Umstände größten Theils selbst zugezogen habe.

Von meinen Schriften ist noch nichts fertig; ich werde sie aberhoffentlich mitschicken können, sobald Betzold herkömmt.

Göttingsche Zeitungen folgen anbey mit. ES sind in meiner Ab-wesenheit verschiedne Stücke verlohnn gegangen, und verschiedne sehrhäßlich zugerichtet worden. Ich will die erster» nachschicken; weil mansie einzeln bekommen kann.

Der Bruder wird mich entschuldigen, daß ich abermals an ihnnicht schreibe. Ich schicke ihm unterdeßc» einen arabischen Dichter,der ihm vielleicht nicht unangenehm seyn wird. Hat er denn alle seineSache von Wittenbecg mit nach Hause genommen? Wann dieses ist,so bitte ich ihn nachzusehen, ob sich nicht ein Packt holländischerSchriften finden, die ich ehemals mit vieler Mühe gesammelt hatte,und die Streitigkeiten wegen Beckers bezaubertcr Welt betreffen. Siesind alle in Quart und bloß in blaues Papier geheftet, und ich weisganz gewiß, daß ich sie in Wittcnberg gelaßen habe. Da ich jezt aneiner neuen Übersetzung von Beckers bezaub- Welt arbeite, der icheine Geschichte der darüber erregten Streitigkeiten vorsetzen will, undwozu der Hr. Past. Hauber aus Koppcnhagen mir bereits sehr vielBeyträge geschickt hat: so brauchte ich die gedachten Holländischenpieyea sehr nothwendig. Wenn sie sich finden, woran ich nicht zweifle,so erwarte ich sie mit BetzoldS erster AnHerkunft.

Von meiner Beförderung, auf die ich eben nicht sehr hitzig bin,wißen andre Leute immer mehr, als ich selbst. Man hat eS mir seiteiniger Zeit sehr nahe gelegt nach MoScau zu gehen, wo, wie Sieaus den Zeitungen werden gesehen haben, eine neue Universität ange-legt wird. Dieses könnte vielleicht am aller ersten geschehen. Ich ver-bleibe nach abgelegtem gehorsamsten Empfchl an die Frau Mutter,

Dero

Berlin,d. tl April1765.

gehorsamster SohnGotthvld Ephraim Lessing.