LcssingS Briefe. 1766.
daß alsdann geschehen wäre? Sie hätten wollen verborgen bleiben/und ich hätte es müssen bleiben. Wenn sich alSdcnn niemand gcnennthätte, so hätten wir unsre Schrift auch nicht einmahl dürfen druckenlassen, oder wir wären doch zuletzt verrathen worden. Ist eS alsonicht besser, daß wir den uneigennützigen Weltweiscn spielen, und unsreEntdeckungen der Welt ohne 5o Dukaten überlassen? Ich hoffe binnen3 Wochen wieder in Berlin zu seyn, und ich will Ihnen nur imVoraus sagen, daß wir sogleich unsre Arbeiten in eben dem Formate,wie Ihre philosophische Gespräche, wollen drucken lassen. Das projek-tirte Journal kömmt gleichfalls noch ganz unfehlbar zu Stande. Siesollen in acht Tagen die ersten Bogen davon gedruckt sehen. SchickenSie mir also Ihre Recension von der Psychologie mit nächstem. Ha-ben Sie sonst noch etwas, so legen Sie es bey; desgleichen fragenSie auch bey dem Hrn. D- Gumpcrz, dem ich mein ergebenstes Com-pliment mache, in meinem Nahmen nach. Vielleicht, daß er auch»och etwas gemacht hat. Haben Sie die Recension von Ihren Ge-sprächen in dem Correspondenten gelesen? Hier ist sie. Sie könnendas Blat behalten. Ich würde mir das größte Vergnügen darausmachen, ein paar Stunden mit Ihnen hier schwatzen zu können; alleinich mag kein Vergnügen, das Sie mir nicht anders als mit IhrerJncommodität machen könnten. Ich komme wohl gar ehestens selberauf einen Tag nach Berlin . — Haben Sie von dem Hrn. Voß dieWerke des Corneille bekommen? Ich bin Zeit Lebens
Ihr
ergebenster FreundLcssing.
Hochzuchrcnder Herr Vater,
Ob ich gleich seit einigen Wochen wieder aus Potsdam zurückbin, so habe ich doch noch bis zum AuSgangc der Messe so viel zuthu», daß Sie mir es gütigst verzeihen werden, wenn ich eben so eiligals kurz schreibe.
Was ich für den Bruder Gottlob thun kann, thu ich mit Ver-gnügen, und es ist mir angenehm, daß Sie so gütig sind, undwenigstens meinem guten Willen Gerechtigkeit wicdcrfahrcn laßen. Ichwerde das nächstem«! mehrercS von ihm schreiben; bis jetzo ist cS ge-nug, daß ich eben keine Ursache habe, über ihn zu klagen.
Der Hr. Pastor Rohde befindet sich schon seit geraumer Zeit hier.Ich habe, nach vielem Zureden, seinen Schlüßcl von Herrnhut im-