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Ltssings Briefe. 17ok.
Ich empfehle mich untcrdeßcn Dero und der Frau Mutter güti-gem Andenken/ und verbleibe, »ach abgelegtem Gruß an sämmtlicheGeschwister,
Dero
Leipzig, gehorsamster Sohn
den 9 April Gotthvld.1726.
8. In einigen Tagen, denke ich nach Halle zu reisen.Die Briefe an mich hierher bitte ich, in die Feuer-kugel auf dem neuen Neumarrt zu addrcssirenbey dem Herrn Winkler.
Ist es möglich, daß wir einander so lange nicht geschrieben ha-ben? Wenn es eine natürliche Folge von meinem Reisen seyn soll,daß ich immer so wenig Nachricht von Ihnen bekomme, so werde ichmein Reisen von dieser Seite sehr hassen. Zwar ich glaube fest, Siewürden mir fleißiger geschrieben haben, wenn Sie mich nicht in Ber-lin von Tag zu Tag persönlich erwartet hätten. Ich glaube cS ganzgewiß. Glauben Sie mir nur auch, daß ich Ihnen fleißiger würdegeschrieben haben, wenn ich nicht von Tag zu Tag nach Berlin zukommen gehofft hätte. Ich hoffe es noch. Wenn mich meine Hof-nung betrügt, so werde ich Deutschland mit dem vergnügtesten Herzennicht verlassen. Wir gehen den 7. May von hier ab, und also »ochvor der Messe. Ich bin unentschlossen, aber was das Unglück ist,mein Reisegefährte ist cS noch zehnmal mehr als ich, so daß wir cSnoch nicht einmahl wissen, ob wir unsern Weg nach Hamburg überBerlin oder Braunschwcig nehmen werden. Dieses ist es alles, wasich Ihnen jetzt melden will. Künftigen Posttag sollen Sie einenBrief nach unsrer Art von mir bekommen. Sie sollen ihn gewißbekommen, denn ich habe Ihnen hundert Kleinigkeiten zu schreiben,von der Art, wie wir in unsern Morgcngcsprächcn abzuhandeln pfleg-ten. Leben Sie unterdessen wohl, liebster Freund, und schreiben Siemir, so bald es Ihnen möglich ist. Ich bin Zeitlebens
Ihr