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Lessings Briefe. 1766.
durchgcdacht habe». Ich will sie Ihnen schicken; aber ich wünschte,daß Ihnen auch Herr Moses seine Gedanken darüber sagen möchte.Sprechen Sie ihn oft? Wenn ich erfahre, daß zwei? so liebe Freunde,die ich in Berlin gelassen habe, auch unter sich Freunde sind, undzwar genaue Freunde: so werde ich erfahren, was ich zu Beyder Be-stem wünsche. Leben Sie wohl, liebster Nicolai; und lieben Sie michferner- Ich bin
ganz der Ihrige,_ Lessing.
die Schauspiele der Alten gelesen, und des Aristoteles Poetik, dieses von soWenigen recht verstandene Werk, suchte ich zu verstehen, so gut ich konnte.Shakspcare kannte ich, hatte aber nur einen dunkel» Begrif von seinem ei-gentlichen Verdienste. Meine Abhandlung gericlh also, wie sie damal gera-then konnte, und ihr einziges Verdienst möchte seyn, nach der damalige»Lage, allenfalls einige Aufmerksamkeit auf die fast ganz verlassene deutscheBühne erweckt zu haben. Sonderbar ist es mir jetzt »och, daß ich damalShakspcare gcgc» Moses vertheidigen mußte. Er halte ihn aber noch garnicht im Originale gelesen, und ich wenig davon. Moses hatte damal über-haupt auf das Tbcater noch kci» Auge geworfen, 'und kannte allenfalls nuretwas vom fra»Mschc» Schauspiele. Ich erinnere mich, daß wir bey Ge-legenheit des Shakspcarcschcn Julius Cäsar , vom Herrn v. Bork übersetzt,über dessen Eigruthumlichkcitcn stritte», wobev ich den Advokaten des cnglä»-dischen Dichters machte. Dieser Streit war ein Theil des Gcdantcnwcchscls,der über zwanzig Jahre zwischen uns Beiden und Lessing Statt fand, undallen so nützlich war.
Bloß zu Berichtigung litterarischer Nachrichten, muß ich hier bemcrkcn,daß dcr jüngere Hr. Lcsstng in Breslau , im Leben seines Bruder« S. 200.201. irrige Nachrichten von dcr Bibl. dcr schönen Wissciischastc» giebt. DiesWerk war nicht eine gemeinschaftliche Unternehmung zwischen Lcsstng, Moses und mir, wie daselbst gesagt wird. Ich faßte allein den Entschluß es zuschreiben. Dies, und meine Vcraiilassung dazu, erzählte ich schon in derVorrede drs Anhangs zum m. und IV. Baude dcr Bibl. S. 7. f. undzeigte S. 10. in dcr Note, wem jede Recension gehört. Ich gab erst dieNachricht von der Herausgabe der Bibl. in Berlin bey Lange beraus.(Man sehe Lessings Brief an Moses vom — Octobcr 17S6) Damal warLcssing nicht in Berlin gegenwärtig, und ich mit Moses noch nicht genaugenug bekannt. Dcr Berlinische Verleger besann sich anders, und wollte diesin seinem Verlage schon angekündigte Werk nicht übernehmen. Ich bat daherLcssing, der sich in Leipzig aufhielt, »nr dort ri»c» Verleger z» schaffen. Erberedete (nach mancher vergeblichen Bemühung) Hrn. Gottfried Dvk dazu.Als eine kleine Anekdote mag hier stehe», daß das Honorariui» (von wel-che»!, wie dcr jüngere Hr. Lcssing meint, der Preis für die Trauerspielewäre bezahlt worden,) auf 25 Rthlr. für jedes Stück, oder ungefähr auf