7!'
das Vergnügen, welches aus der Nackiahmung, in so fern ich sie fürdie Sache selbst nehme, entsteht, und kann keinen Einfluß in dieseshaben. Doch, wie gesagt, davon ein andermal. Ich hätte fast Lust,auch dieses Wenige wieder auSzustrcichen.
Zu S. 21.
Sie hätten einen ältern anführen können, als den Brumoy,welcher den Nutzen des Trauerspiels in die nähere Bekanntschaft mitdem Unglücke und dem Unglücklichen, und in den für uns darausfließenden Trost, gesetzt hat. Stobäus hat uns eine sehr schoneStelle von dem Comödienschrciber Timokles aufbehalten, aus welcherich die letzten Verse, nach der lateinischen Uebcrsetzung, hersetzen will.
I'iimum 1'i.igoodl kjuanla cammmla «llkeinnt,
I'oi'jienllo lodes: li c^ui8 ett pr>us>eic»Ius,
klgjoi'e piellum li vicledit l'eleplium
I>Ivn6ioitato, 1eviu5 tunin seiet
I^Ieinlioil.ilem: iiilnniis esliio s^uisniam?
I^uiiosuin i8 ^lemironl» nioponit silii.
t'nnlu8 t^u!« oculis? nsnicit o.iecum Oed!»uui.
Lllülus oliiit? ^ioli« ll.il)it kolatium.
<ÜIau«Iu8 :>Iiljui8iiv est? 18 I'Iiiloetelem nstticii.
I>Iiie>' l>IItj»i8 kenex? tuelur Oeneum <^c.Ich will Ihnen gern alle meine Anmerkungen mittheilen; undalso habe ich Ihnen auch diese sehr unbedeutende mittheilen müssen.
Zu S. 23.
Daß die Verbesserung der Leidenschaften nicht ohne Sitten undCharaktere geschehen könne, das sagen Sie, mein lieber Nicolai, ohneallen Beweis. Ich will Ihnen aber den Beweis des Gegentheils ge-ben. Daß die Tragödie ohne Charaktere und Sitten Mitleiden er-wecken könne; das geben Sie selber zu. Kann sie aber Mitleidenerregen, so kann sie auch, nach meiner obigen Erklärung, Furcht er-wecken; und aus der Furcht ist die Entschließung des Zuschauers, sichvor den Ausschweifungen derjenigen Leidenschaft, die den bemitleidetenHelden ins Unglück gestürzt hat, zu hüten, eine ganz natürliche undnothwendige Folge. Sie werden zwar einwenden: wenn Leidenschafteneinen Helden ins Unglück stürzen, so müsse dieser Held auch einenCharakter haben. Aber das ist, mit Ihrer Erlaubniß, falsch; die Lei-denschaften sind nicht hinlänglich, einen Charakter zu machen: dennsonst müßten alle Menschen ihren Charakter haben, weil alle Menschenihre Leidenschaften haben.