Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
82
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8-.'

LesfingS Briefe. 1757.

beide (worin etwas von unsrer streitigen Materie ficht)/ wieder be-kommen habe; und diese habe ich noch nicht wieder bekommen.

Ostern vor einem Jahre, wollte mich Herr Moses hier in Leipzig besuchen. Wie, wenn er mir jetzige Messe diese unverhoffte Freudemachte? Wie/ wenn Sie mit kämen, mein lieber Nicolai? denn IhreHandlungSvcrrichtungcn werden doch wohl nunmehr aufgehört haben.Mündlich würden wir von unsrer Materie, dem Trauerspiele, in einerStunde mehr ausmachen, als durch Briefe in einem Jahre gesche-hen wird.

Leben Sie wohl, ich muß für diesesmal schließen. Ich bin

ganz der Ihrige,Lessing.

Leipzig , den 10. Map 1757.

Mein lieber Herr Glcim,

Sie verlangen von mir eine Ode auf Ihren König? Ich binauf Ihr Aurathe» bep Halbcrstadt den alten Juden hinangcklcttcrt,und habe ihm den steinern Bart gestreichelt, ob ich mir gleich meinesSchwindels nur allzuwohl bewußt war. Warum sollte ich mich aufIhr Wort, nicht noch höher versteige»? Gut! Es hat mit der Odeseine Richtigkeit. Weil ich aber gern etwas machen möchte, dasIhres völligen Beyfalls werth wäre, so will ich so behutsam gehen,als möglich, und Ihnen vorher den Plan mittheilen, nach welchemich zu arbeiten Willens bin.

--- ls. Band I, S. 2N7-1

Nun mein lieber Glcim, was sagen Sie zu diesem Gerippe?Verlohnt cS sich der Mühe, daß ich es mit Fleisch und Haut umgebe?Antworten Sie mir hierauf, so bald wie möglich, denn sonst könntemich leicht Ihr Brief in Leipzig nicht mehr treffen. Künftige Wochegehe ick) wieder nach Berlin. Schade, daß der Weg nach Berlin nichtüber Halbcrstadt geht! Wie froh werde ich seyn, wenn ich wieder inBerlin bin, wo ich nicht länger nöthig haben werde, cS meinen Be-kannten nur in's Ohr zu sagcu, daß der König von Preußen dennochein großer König ist! Leben Sie wohl, mein lieber Glcim, und lie-ben Sie mich ein wenig. Ich bin

ganz der IhrigeG- E- Lcssiug.