Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
83
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Lessinas Briefe. 1757.

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An Moses Mendelssohn .Lieber Freund'

Wundern Sie sich nur nicht/ daß ich für jetzt so saumselig imSchreiben bin. Ich befinde mich auf einmal in hundert Verwirrungenund Verlegenheiten/ von den Ihnen Herr Voß schon vielleicht gesagthat/ wenigsten» noch sagen kann. Was mich am meisten dabey tröstet,ist dieses, daß ohne Zweifel meine itzigen Verdrießlichkeiten die Gele-genheit seyn werden, mich wieder in die Arme meiner Freunde inBerlin zu werfen, und dieses vielleicht eher, als Sie cS vermuthen.

Den ersten Theil der Bibliothek werden Sie von Herr Vossenbekommen haben. Sie dürfen siel,, mit unserm lieben Nikolai/ nichtwundern, anstatt des Portraits des Hrn. von Kleist/ das Portrait desHerrn von Hagedorn vorzufinden. Ersterer wollte durchaus seine Ein-willigung nicht ertheilen/ und so mußte ich und der Verleger aus derNoth eine Tugend machen; obgleich Herr von Kleist schon völlig ge-stochen ist, wovon Sie ehestens einen Abdruck bekommen sollen.

Für jetzt schicke ich Ihnen beyden den Contrakt des Hrn. Dvkmit, wovon Hr. Nikolai eine Abschrift unterschreiben, und ehestenswieder zurück senden wird.

Leben Sie wohl, mein liebster Moses . Ein MehrcreS mit Näch-stem, so bald ich Zeit haben werde, wieder an unsre lieben Streitig-keiten zu denken. Für wie viel Unterrichtendes werde ich Ihnen zudanken haben! Ich bin

Leipzig , ganz der Ihrige

den 20. May 17S7. Lcssing.

An Gleim.

Leipzig , den 14. JuniuS 17S7.

Liebster Freund!

Loben Sie mir mein Odcngcripvc wie Sie wollen; ich weiß doch,daß die Person, an die cS gerichtet ist, Sie bestochen hat, so viel Gu-tes davon zu sagen. Unterdessen, wenn ich wüßte, daß Sie michnoch einmal loben wollten, (denn bey dem allen lasse ich mich dochsehr gern von Ihnen loben, ich mag cS nun verdienen, oder nicht)so könnte ich Ihnen vielleicht am Ende dieses Briefes noch ein zwcy-

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