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Lessings Briefe. 1757,
Zeitlebens beobachten wollte. Da sehen Sie einmal, was mir derKrieg für Schaden thut! Ich und der König von Preußen, werdeneine gewaltige Rechnung mit einander bekommen! Ich warte nur aufden Frieden, um sie auf eine oder die andere Weise mit ihm abzuthun.Da nur er, Er allein, die Schuld hat, daß ich die Welt nicht gese-hen habe, wär" es nicht billig, daß er mir eine Pension gäbe, wobeyich die Welt vergessen könnte? Sie denken, das wird er fein bleiben'assen! Ich denke es nicht weniger; aber dafür will ich ihm auch wün-schen, --daß nichts als schlechte Verse auf seine Siege mögen ge-macht werden! Was brauche ich das zwar zu wünschen? ES muß vonselbst geschehen, wenn nur der Herr von Kleist und Sie mir verspre-chen wollen, keine darauf zu mache». O versprechen Sie mir es dochja! Wenn Sie sich einmal an einem Könige so zu rächen haben, sobin ich wieder zu Ihren Diensten. Aber umgekehrt, versteht sich.
Leben Sie wohl, mein lieber Ramlcr, und erwarten Sie michbald in Berlin . Ich bin
ganz der Ihrige,Lessing.
An Moscs Mendelssohn.Lieber Freund!
Da bereits der erste Bogen von dem zweyten Stücke der Biblio-thek abgedruckt ist, und ich die letzte Revision vom Anfange an be-kommen habe, so können Sie leicht denken, daß ich Ihre Abhandlung,von den Quellen und Verbindungen der schönen Vvissenschaftenund Rünste, nicht blos mit einem flüchtigen Auge, sondern aufmerk-sam und mit großem Vergnügen müsse gelesen haben. Mehr kann ichjetzt nicht davon sagen; ich habe seit 8 Tagen ein intcrmittircndeSFieber, welches mit solchen gewaltigen Kopfschmerzen verbunden ist,daß ich Gott danke, wenn ich nur manchmal dabey denken kann,und das Urtheilen gar gern auf eine andre Zeit ausgesetzt seyn lasse.Schreiben Sie, mein lieber MoscS, so viel als Ihre gesunde Handnur immer vermag, und glauben Sie steif und fest, daß Sie nichtsMittelmäßiges schreiben können--denn ich habe es gesagt!
Den D- Pauli habe ich die Ehre, persönlich zu kennen. GanzHamburg hielt ihn, als ich da war, für einen würdigen Kandidatendes TollhauscS; und man sahe mich mit sehr zwcydeutigen Augen an,als ich mich demohngeachtet mit ihm in ein sehr weitläuftiges, ernst-haftes Gespräch einließ. Ich hätte den Brief wohl lesen mögen, den