Leben Sie beyde zusammen wohl, schreiben Sie oft, und liebenSie mich beständig.
Leipzig , Golth, Eph- Lcssing,
den 14. Sept. 17S7.
Leipzig / den 21. September 1767.
Liebster Herr Glcim/
Ihr letzter Brief an unsern lieben Herrn Oberstwachmeistcr hatmich herzlich belustigt. Schreiben Sie ja oft dergleichen, damit wirhier auch den Krieg auf der spaßhaften Seite kennen lernen. Ich habeaber vor vielen Jahren eine alte ehrliche Frau gekannt, die, wenn siein ihrer Stube nichts mehr zu thun fand, anfing die Fliegen auf derGasse todt zu schlagen. Die Arbeit war leicht; nur daß cS eine ewigeArbeit war. Ich glaube, sie schlägt noch todt. —
Wissen Sie schon, daß ich die bcvdcn Gesänge unsers begeistertenGrenadiers in das zwevte Stück der Bibliothek habe einrücken lassen?Bald aber hätt' ich Händel darüber bekommen, wenn sich nicht derMajor dcS gemeinen Soldaten und seines Herausgebers angenommenhätte. Auch Herr Nicolai in Berlin hat sich von Herrn Lieber-kichn — wenn Sie den Namen anders kennen — einen satirischenBrief darüber zugezogen. Dieser Lieberkichn hat sich den Teufelblenden lassen, und gleichfalls Schlachtgcsänge unter dem Namen ei-nes Gberofficiers herausgegeben. Wie hochmüthig die schlechtenPoeten sind! Ich kenne einen guten, der sich, der poetischen Subor-dination zu Folge, zum Generale hätte machen müssen. —
Weil ich der Bibliothek gedenke, so muß ich Ihnen einen Irr-thum benehmen, den ich Ihnen schon oft habe benehmen wollen. Siehalten mich für einen von den Verfassern derselben. Ich bin cS, beyGott ! nicht. Und Sie sollen mich auch durchaus nicht dafür ausge-ben. Wo Sie es schon unterdessen dem Herrn Zachariä in'S Ohr ge-sagt haben, so bringen Sie cS ihm ja wieder aus den Gedanken. Erwürde sonst Ursache haben, auf mich verdrießlich zu werden.
Werden Sie denn nicht bald wieder einmal nach Leipzig kommen?Die Franzosen halten Sie doch wohl nicht davon ab? Ich will hoffen,daß sie zu gesittet sind, als daß sie einen Dichter im geringsten ver-hindern sollten, zu singen und seine Freunde zu besuchen. —
Leben Sie wohl, und crmuntern Sie, wo möglich, den Husaren,der fünf Franzosen gefangen genommen hat, seine Heldenthat in VerseL-ssii'gS Werk- xn, 7