Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
103
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Lcssiiigs Briefe. 1767.

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seineu Rammer/ heißt nicht, wie ein Bräutigam/ der von seinerevuelil! uu,^i»Io aufsteht, den» wahrlich, so ein Bräutigam kannnicht sehr InIIIant und radieux erscheinen, wenn er anders seinerPflicht nachgekommen ist. Sondern es heißt, ein Bräutigam, deraus seiner Kammer der Braut entgegen geht, dieser ist mit der Sonneund mit dem Helden zu vergleichen, der sich seinen Weg zu laufenfreuet. Meinen Sie nicht, daß ich Recht habe?

Ich höre es nicht gern, daß Sie mit dem Hrn. Nicolai nichteins werden können. Eher muß nichts gedruckt werden, als bis Siezusammen eins sind. Und worüber streiten Sie denn eigentlich? Per-sönlich dürfte ich unter e bis 8 Wochen wohl nicht an Ihrem StreiteTheil nehmen können. Zwar vielleicht doch ich will noch nichtsGewisses' entscheiden. ES kömmt alles auf die künftige Woche an.

Ich hatte dem Hrn. Nicolai zu dem vierten Stücke der Bibliothekeinen Beytrag versprochen. Ich habe auch Wort gehalten, obgleichnicht so genau. Denn anstatt, daß ich Glcims Fabeln und die großeAusgabe vom Messias zu recensiren versprach, und LicbcrkühnS Theo-krit bis auf das nächste Stück verschieben wollte, habe ich diesen rcccn-sirt, und jenes verschoben. Meine Recension beträgt ungefähr zweyBogen. Herr Nicolai mag sich also mit dem Reste des Manuscriptsdarnach einrichten. Sie können sich nicht einbilden, was Licberkühnfür dummes Zeug gemacht hat! Er hat auS der lateinischen Ucber-sehung überseht, und auch nicht einmal diese verstanden. Es ist mirlieb, daß Sie cS bereits in dem Griechischen zu etwas gebracht haben;denn so werden Sie selbst von meiner Kritik urtheilen können, undeinsehen, daß ich Licberkühncn nicht zu viel gethan habe.

Ihre Corrcspondcnz mit Baumgarten folgt hier zurück. Waswollen wir nicht darüber plaudern, wenn wir zusammen kommen!Davon schreiben kann ich nichts; denn ich glaube, ich verstehe Siebeyde noch nicht recht.

Leben Sie untcrdcsscn wohl; und schicken Sie mir auch IhreDanklieder- Vergessen Sie es nicht! Ich bin, liebster Frcnnd,

ganz der IhrigeLcssing.

Von den beyden Gelegenheitsgedichten des Hrn. Nicolai") urtheileich, daß die Gedichte recht gut sind, (besonders das, worinn dieStrophe ist: Und Amor trat an Phöbus Stelle :c.) daß aber die

°) Die beiden Eclcgcnhcitsgcdichte von mir, die Lcssing hier erwähnt,warm auf dic Hochzeit des berühmte» Malers Hrn. Bernhard Rode . Nicolai.