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Lessings Briefe. 1768.
Idyll XX. 30. 31.
ES ist mir gar sehr wohl bekannt, daß die ^IUei vornehmlich dasneuli'um plul-rilv mit dem Vcrbo im Singnlari konstrnircu. Allein,mein lieber Nicolai, 6' a'^x« ist nicht der Plnralis. Wen» Siesich hier irren: so kömmt cö bloß daher, daß Sie den Dorischen Dia-lekt noch nicht völlig in Ihrer Gewalt haben. Und das ist auch vondem Lateinischen Ueberseher zu sagen; denn wenn «?^>xw der PluraliSwäre: sagen Sie mir, worauf sollte es gehen? auf welches Substanti-vum sollte es sich beziehn? Geht nicht ilao-«-, ^w«l-<-s, wenn ichmich recht besinne, gleich vorher? Und wie können Sie «?-vx« mitverbinden? Nein; «^x« steht dorisch für ä^-vx^; das istleicht. Wie wollen wir aber mit ^« .zurecht kommen? und sehen Siehier, was Loilritlius <Ie llialeeiis sagt- o-, articulo nomiiialivi >>I>i-ralis r aclclunt Dores; ut ^c>-> ^-c>^ ra-, /^ovcra-., o-^ <^Allein Corinthus hätte dieses nicht allein von dem Nominativs Plu-raliS, sondern auch Singularis sagen sollen. Denn waS ist nunmehrhier deutlicher, als daß der dorische Dichter für ^ wie gewöhnlich «und anstatt «, 7« gesagt hat, so wie er für «l, sagt.
S- 371. Nein, mein lieber Nicolai, >.-v/^c-5^ ist kein Adver-bium, ob eS gleich hier adverbialiter gebraucht wird- Und das, wissenSie wohl, ist ein großer Unterschied. Wie viele Genitivt brauchenwir nicht auch im Deutschen adverbialiter, die deswegen keine Adver>via sind! Die gemeinsten Lerica sagen: 5-^ pariiculu gli^u-»«!» aliun.llsns, alis^uanlio inoturn a loco ligniliei>n5. Diese ziuilicula also,in der letzten Bedeutung dem Dativ angehängt, und das jowludlcrlpwm mit herangenoinmen, entsteht ^.Z-^-v, dorisch >^/Zl«^-v.Ein ähnliches Wort kömmt bey dem Homer vor, is^-v nehmlich,welches die Ausleger durch ^ ^? erklären. Doch vielleicht schreibenSie, und finden auch vielleicht >^/Zv«^-v geschrieben; und alsdannhaben Sie das, was ich vom joia luklei-ipto sage, nicht immer nö-thig- ^- Ziehen Sie nur dieser zwey Punkte wegen Herrn Damm zu
Rector Damm hatte, bey einer auffallenden Pedanterie, überaus viel gesun-de» Verstand und Gutmülhigkcit. Er war uns ein lebendiges Lcricon, durchdas uns keine Bedeutung eines Wortes fehlen konnte. Das Buch ward oftaus der Hand gelegt; wir hörten seine Wortcrklarungcn, und er unsere Be-merkungen über poetische Schönheiten, Charaktere, n. d. gl. Moses las nach-her für sich den ganzen Plato , nud einen Theil des Aristoteles, griechisch.Man s. auch meinen Aufsatz in der Berlinischen Monatschrist im Mavstückdes Z. 1800. S. 338. ff. Nicolai.