Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

Messings Briefe. 1758.

111

nehmste bliebe, und daß die verstellte Rolle, die er spielt, seinem Cha-rakter und seinem edlcu Vorsatze nicht nachtheilig würde. Wenn Sieund Herr Nicolai etwas Gutes in diesem Entwürfe finden, so willich ihn, weiter und besser ausgeführt, seiner Kritik an einem bequemenOrte mit einrücken. So scheint er noch ein wenig kahl.

Wegen des Hrn. von Crouegk sagen Sie nur Hrn. Nicolai, daßcS hier eine längst bekannte Sache sey, daß niemand, als dieser jungeBaron, der Verfasser des CodruS sey. Es befinden sich hier eine ziem-liche Anzahl von seinen Freunden, auf die er sich kühnlich deswegenberufen kann.

Wie wird cS mit dem Portrait zu dem dritten Bande werden?An das Portrait des Hrn. von Kleist ist gar nicht zu denken.

Leben Sie wohl, liebster Freund, und schreiben Sie mir doch jafein bald, und fein viel, damit unser Briefwechsel wieder in sein altesGleis komme. Nun wird er zwar am längsten gedauert haben.

An Hrn. Nicolai will ich nächstens umständlich schreiben. Ich bin

ganz der Ihrige

Leipzig , Lcssing.den 18. Febr. 1768.__

An Nicolai.

Leipzig , d- 3. März 1768.

Liebster Freund,

Ihre Anmerkungen über meine Recension des Theokrit haben mirviel Vergnügen gemacht. Sie müssen das Griechische sehr fleißig trei-ben. Treibt es unser lieber Moses auch so?') Wenn Sie so fortfah-ren, so werden Sie bald mehr davon wissen, als ich in meinem Lebendavon gewußt habe. Auf Ihre Einwürfe unterdessen zu antworten,muß ich mir erst wieder einen Theokrit borgen, und mir hernach dieZelt ablauern, wenn ich zu solchen Untersuchungen Lust habe. Jetztwill ich Ihnen nur in der Geschwindigkeit auf einige Punkte antworten.

°) Moses hatte damals angefangen sich auf das Griechische zu lege».Er hielt erst für allzuschwcr, es noch lernen zu könne». Auf mein Zureden,fing er im Z. 1767 an, es bcv dem scl. Ncclor Damm zu lernen, undmachte in Kurzem schnelle Fortschritte. Wir beyde halte» darauf vier Jahrelang wöchentlich zwev Zusammenkünfte mit dem Nckt. Damm, jedesmal vonzwev bis drcv Stunden, worin wir den ganze» Homer , einige Oden desPndar, verschiedene Schriften des Plntarch u»d Xcuopl'o» gesellschaftlichdurchlascn. ES waren sehr a»gc»chme und lehrreiche Stunde». Der alte