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melden kann. Oder wollen Sie noch etwas neues von Gottschcdcnwissen? Er wird mit dem Gesalbten unsers GleimS immer bekann-ter/ immer vertrauter. Es hat wieder französische Verse gesetzt, nebsteiner goldncii Tabatiere und einem Ringe. Er macht gar kein Ge-heimniß draus; er ist vielmehr so stolz drauf/ daß er die ganze Unter-redung, die er hier mit dem Könige gehabt hat, in sein Neuestes hateindrucken lassen. Gott wolle nicht, daß unser Gleim seinen Patrio-tiSmum auch so weit treibt, daß ihm Gottsched durch diese Bekannt-schaft rcspcctablec wird! Jetzt ist es vielmehr die rechte Zeit, neue undblutigere Satyrcn wider ihn zu machen, als man noch je gemacht hat-Und wenn wir damit zaudern, so wird er uns selbst zuvorkommen.Denn es ist ganz gewiß, daß er wieder eine neue Aesthetik in einerNuß drucken laßt. Ihre neuen Gedichte werden ihm gleich noch zurrechten Zeit gekommen seyn. Wenn ich doch nur auch unterdessen et-was geschrieben hatte, damit ich nicht etwa vergessen würde! —
Leben Sie wohl, theuerster, liebster Freund, und kommen Sie jabald wieder. Ich bin Zeit Lebens
den 1-t März 175,3. Leßing.
An Moses Mendelssohn .Liebster Freund!
Sie haben einen Theil der Entschuldigungen meines langen Still-schweigens errathen. Ich bin verschiedene Tage außer Leipzig gewesen;obgleich nicht auf Erecution. Wollen Sie auch meine übrigen Ent-schuldigungen wissen? Ich bin auf einmal in eine Arbeit gerathen,in der ich mich gern auf keine Weise habe unterbrechen wollen. Siekennen mich, und ich kenne mich selbst; ich muß meine erste Hitze zunutzen suchen, wenn ich etwas zu Stande bringen will. Unterdessenhaben Sie nicht Ursache, auf diese Arbeit neugierig zu seyn. GegenSie werde ich am wenigsten damit groß thun. Sie ist fast von derArt, von der nur Sie mich in Berlin ziemlich abgezogen haben; undihre Gegenstände sind von alle dem so gänzlich unterschieden, worüberSie mir geschrieben haben, und ich Ihnen antworicn sollen, daß ichdicscsmal, liebster Freund, an Sie oder den Hrn. Nicolai zu schreiben,nothwendig für eine Zerstreuung ansehen mußte. Ich bin darüber so-gar von meinem Engländer abgekommen, und ich schicke ihn daherunterdessen zu Ihnen. Unterhalten Sie sich so lange mit ihm, bis ich
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