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Lesswgs Briefe. 1758.
Sie nicht fehl reisen werden. Was werden wir für Freude habe»/wenn Sie kommen! — Sie kommen doch ganz gewiß?
Aber wie haben Sie glauben können, daß ich die Sammlung derKriegeSliedcr vergessen würde? Ich habe bisher mit Fleiß davon ge-schwiegen, um Sie nächstens damit zu überraschen. Das Format wirdungefähr wie die Gedichte unsres Freundes; aber noch ein wenig klei-ner- Lassen Sie mich nur machen- ich will Ihnen zeigen, daß ich einziemlich gustöscc Buchhändler geworden wäre, wenn mir nickt das ei-gensinnige Schicksal/ anstatt Bücher drucken zu lassen und reich zuwerden, auferlegt hätte/ Bücher zu machen und nicht reich zu werden.Herr Ramler versvrach mir in seinem letzten Briefe/ zu jedem Liedeeine eigne Composition aus Berlin. zu schicken; ich habe ihn bey sei»nein Worte gehalten, und erwarte sie nächstens. Sie sollen in Kupferdazu gestochen werden.
Äabc ich dem Grenadier schon sagen lassen, daß mir seine Zusätzezu dem Roßbachcr Liede ungemcin gefallen haben? Nur ist die Strophevom Nürnberger ein wenig zu fein, als daß das Lächerliche darin ebenso geschwind auf den Leser wirken könnte, wie in den ander» ähnli-chen Strophen. Von seiner vorgeschlagenen Verkürzung des Eingangszum Lissaischen Liede halte ich, eigentlich zu reden, nichts. Will eraber durchaus lieber einige Schönheiten verlieren, als den Beyfall derRunstrichtcr von kurzem Athem (denn nur ein kurzer Athem kannden Eingang zu lang finden) entbehren; so muß er wenigstens dieerste und letzte Strophe davon beybehalten. Und wenn er die übrigenwegwirft, so werde ich sie doch, allen Schwindsüchtigen zum Trotze,entweder in einer Anmerkung oder in der Vorrede beybehalten.
Herr Aeyer') hat unS besucht, aber nur immer auf einige Au-genblicke. Wenn er wieder aus Dresden zurück kommt, hoffen wirihn länger zu genießen.
Herr Voeise hat sehr übel daran gethan, daß er den Grenadierverrathen hat. Ich will ihn dafür wieder verrathen, und Ihnen ent-decken, daß beylegende Lieder von ihm sind. Sie werden einige sehrartige darunter finden. Aber zwey Dritthcilc hätte er, meines Erach-tcnS, gar nicht sollen drucken lassen. Der gute Mann ist jetzt krank-
Leben Sie wohl, liebster Freund, und kommen Sie ja so baldals möglich. Ich bin
ganz der IhrigeLcssing.