Lesfiugs Briefe. 4758,
> An Glcim.
Berlin.- den 8. Julius. 17S8.
Liebster Freund,
Sie glauben nicht, wie zufrieden ich mit Ihnen und dem Gre-nadier bin. Er hat sich vortrefflich auS dem Handel gezogen/ und ichwüßte nicht das geringste, was in seinem Collinischen Liede zu ändernwäre. ES kam noch eben zurecht, obgleich der Druck schon bis indas Roßbachische Lied fortgerückt war. Einer so interessanten Ver-mehrung wegen, hat ja leicht ein Bogen können weggeworfen werden.Sieben Lieber hat Herr Rrause comvonirt; daS Collinische muß dasachte seyn. Denn dieses muß nothwendig eine andre Melodie bekom-men, weil ein eigner Geist darin herrscht, der zu den andern Melo-diccn nicht passen würde. Ich hoffte, Ihnen heute den Abdruck desTitclkupfcrS, von der Erfindung des Herrn Meil, mitschicken zu kön-nen; da uns aber der Kupferdrucker aufhält, so soll cS künftigen Post-tag folgen. ES wird Ihnen gefallen.
Endlich hat unser lieber ZUeist alle meine Briefe erhalten; erwird also nun auch wohl den Ihrigen bekommen haben, da Sie ihmvon hieraus geschrieben. Ich habe gestern verschiedene Veränderungenseiner letzte» Hymnen von ihm erhalten. Auch hat er mir ein ziem-liches Stück auS seinem größten Gedicht Cissides mitgeschickt, welchesich Ihnen abschreiben, und daS nächstemal gewiß schicken will.
Sie haben es errathen: Herr Ramler und ich machen Projccteüber Projectc. Warten Sie nur noch ein Vierteljahrhundcrt, und Siesollen erstaunen, was wir alles werden geschrieben haben! Besondersich! Ich schreibe Tag und Nacht, und mein kleinster Vorsah ist jetzt,wenigstens noch drevmal so viel Schauspiele zu machen, als Lope deVega . Ehestens werde ich meinen Doctor Faust hier spiele» lassen.Kommen Sie doch geschwind wieder nach Berlin , damit Sie ihn se-hen können!
Mit unserer Sammlung auserlesener Epigrammen werden wir nunbald hcrvorrückcn. Wenn cS sich unterdessen noch etwas verziehenmöchte, so hat niemand daran Schuld, als ein Freund in Halbcrstadt,der uns seine Epigrammen verändert einzuschicken versprochen hat. Erhat auch versprochen, seine alten deutschen Dichter nachzuschn, undwas uns nützlich seyn könnte, daraus mitzutheilen. Aber der guteMann hat nur einen Sonntag in der Woche, und da kann er srcvlichnicht alles thun. Besonders so lange ihn der Grenadier Sonntagsbesucht!