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LessingS Briefe. 1769.
Hochzuchrcnder Herr Vater/
Abwechselnde Krankheiten, Beschäftigungen, kleine Reisen, undandre Hindcrniße sind Schuld, daß ich in so langer Zeit nicht nach Hausegeschrieben, ob ich gleich mit meinen Gedanken sehr oft da gewesen bin.Ich hoffe unterdeßen, daß sie sich allesamt so wohl werden befundenhaben, als man sich zu den itzigen unruhigen Zeiten nur immer befin-den kann. Daß Ihnen Erdmann so viel Verdruß machet, bctaurcich von Herzen. Ich habe an einen Hauptmann von dem Wunschi-schcn Frevbatallion, der ein Verwandter von einem meiner Freundeist, schreiben und mich bev ihm nach dem Bruder erkundigen laßen.Noch habe ich keine Antwort. Wenn er nur groß genug ist, Soldatzu werden, so will ich ihm viel Glück dazu wünschen, und werdevielleicht auch in Stande seyn können, ihn wo anzubringen, wo er,wenn er sich darnach aufführet, sein Glück machen kann. Hat eraber weiter keine Absicht, als nur bey einem Offlcicr die Schuh zuputzen, so weiß ich nichts für ihn zu thun. Das heißt zu niedriganfangen, um etwas zu werden.
Ich freue mich darauf, daß TheophiluS bald befördert werdenwird. Wenn ich unterdeßen meinen Proceß gewinne, so wollen wiralsdann recht vergnügt zusammen leben. Daß ich ihn gewinnen mußist nunmehr keine Frage mehr; aber noch werde ich mich einige Zeitgedulden müßen. Sie werden es selbst wißen, wie sehr ein Proceßin Sachsen auf die lange Bank geschoben werden kann.
Ich habe gehofft, daß Gottlob aus Wittenbcrg einmal an michschreiben werde. Studirt er Jura, oder was studiert er? Ich wolltewünschen, daß ich ihm worinn nützlich seyn; eben so wohl alsGottfrieden i» Leipzig . Aber itzt bin ich es leider nicht im Stande.Sobald ich es bin, soll es gewiß geschehen. Was Gottlob unterdeßenan Büchern brauchen sollte, könnte ich ihm von hier aus schicken, wennihm damit gedient wäre.
Hier folgen einige Neuigkeiten. Wenn Ihnen unter den Fort-setzungen einige Stück fehlen sollten, so haben Sie nur die Gülig-kcit, es mir zu melden. 1. Logaus Sinngedichte; 2. Sammlung ver-mischter Schriften > 3. Briefe über die neueste Litteratur, so weit sieheraus sind; 4. Fortsetzung der Beyträge; 5. Fortsetzung derOrtman-tiischen Briefe; e. Viertes Stück meiner Theat. Bibliothek; 7. Philo-taS; (von mir). Meine Fabeln, wovon Sie den Titel im Mcßcatalogowerden gelesen haben, sind noch nicht ganj gedruckt. Ich werde siesenden, sobald sie fertig sind.