LesflngS Briefe. 1769.
waren! Der Professor will seine Rede drucken lassen, und sie ist soelend! Ich weiß gewiß, Rleist hätte lieber eine Wunde mehr mitins Grab genommen, als sich solches Zeug nachschwatzen lassen. Hatein Professor wohl ein Herj? Er verlangt itzt auch von mir undRamler Verse, die er mit seiner Rede zugleich will drucken lassen.Wenn er eben das auch von Ihnen verlangt hat, und Sie erfüllensein Verlangen — Liebster Glenn, das müssen Sie nicht thun! Daswerden Sie nicht thun. Sie empfinden itzt mehr, als daß Sie, wasSie empfinden, sagen könnten. Ihnen ist es auch nicht, wie einemProfessor, gleich viel, was Sie sagen, und wie Sie es sagen. — Le-ihen Sie wohl. Ich werde Ihnen mehr schreiben, wenn ich werderuhig seyn.
Ihr
ergebensterL-ssing.
An Gleim.
Berlin , den 23. Oktober 4769.
Liebster Freund,
Ich schäme mich recht, daß ich Ihnen so lange nicht geschriebenhabe. Aber ich weiß, Sie entschuldigen mich, wenn Sie hören, daßich krank gewesen bin, oder doch sehr verdrießlich: denn der Verdrußist bey mir eine Krankheil; und ich bin nicht länger gesund, als ichvergnügt bin. Anbey habe ich müssen meine Lappalien vollends fertigmachen. Hier erhalten Sie ein Exemplar davon. ES sind Fabeln,liebster Freund; und ich kann eS voraussehen, daß weder meine Fabelnnoch meine Abhandlungen den Beyfall eines Dichters, und folglichauch Ihren nicht, erhalten können. Ich habe, wie Sie sehen werden,lieber einen anderen und schlechteren Weg nehmen, als mich der Ge-fahr einer nachtheiligen Parallele mit den Gleims und La Fontaine, »aussetzen wollen.
Herr Ohrlich hat Ihre Briefe an uns abgegeben, und Sie habenmir in ihm keinen ganz unbekannten Menschen empfohlen. Er ist derVerfasser der Lobrede auf den König, die hier in Berlin gedruckt wor-den, und in der That viele schöne Stellen enthält.
Die Lobrede auf unsern Rleist ist fertig, und Herr Rainleu undich haben sie gelesen. Unser Rath dabey ist dieser gewesen, daß manseiner Freunde darin ganz und gar nicht gedenken müsse, damit es